Zwei der gefälschten Bilder.

© APA/POLIZEI

Prozess
02/03/2015

Picassos im Hinterzimmer waren „Luftschlösser“

Betrugsprozess gegen zwei Männer, die vier Gemälde als echt verkaufen wollten.

von Ricardo Peyerl

Kunstsammler blättern bis zu – tief Luft holen! – 82 Millionen Euro für einen Picasso hin. In einem Hinterzimmer in Wien-Fünfhaus gab es „Umarmendes Paar“, „Frau mit Tier“, „Männlicher Kopf mit Krone“ oder „Zwei Figuren“ schon für jeweils 300.000 Euro zu haben.

Freilich: So hätte Pablo Picasso das nie gemalt, das kann man laut Staatsanwältin nicht einmal als Fälschung bezeichnen, schweren Betrug nennt es die Anklage aber doch. Ein 52-jähriger Montenegriner und ein 47-jähriger „Teilzeit-Kaufmann“ aus Wien standen deshalb am Dienstag vor Gericht. Ihr Verteidiger Werner Tomanek nannte die Geschichte „blöd“: Um 300.000 Euro gäbe es „nicht einmal eine Unterschrift vom Picasso auf einem Bierdeckel“.

„Komischer König“

2013 will der 52-jährige Angeklagte die angeblich aus dem Besitz eines 80-jährigen Diplomaten stammenden Gemälde von einem Bekannten in Serbien bekommen haben. Er solle Käufer für die vermeintlichen Picasso-Werke finden, fünf bis zehn Prozent Provision seien ihm sicher. Er wandte sich an den Wiener, der sich allerdings ebenfalls nicht mit Kunst auskennt: „Dieser komische König, diese Frau, das abstrakte Zeug“ entspreche nicht seiner „Geschmacksrichtung“, erklärte er vor Gericht: „Ich habe null Ahnung gehabt.“

Dennoch will er die Bilder für echt gehalten haben. Immerhin habe man doch die Signatur des Künstlers erkennen können. Als er von den Fälschungen erfuhr, sei er geschockt gewesen: „Ein Luftschloss“.

Der vom Gericht als Sachverständiger beauftragte renommierte Kunsthändler Herbert Giese bezeichnete die Gemälde als „dilettantische Fälschungen“, die in Stil, Komposition und Realisierung weit vom Vorbild Picassos entfernt seien.

Im Frühjahr 2014 gerieten die Verkäufer der Gemälde an verdeckte Ermittler, die sich als Käufer ausgaben. Im Hinterzimmer eines Lokals sollte das Geschäft über die Bühne gehen, die Verkäufer wurden verhaftet. Der Prozess wurde vertagt.

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