Tödliche Schüsse in Ottakring: Verdächtiger in der Türkei gefasst

Im November wurde ein Mann in einem Restaurant in Ottakring erschossen. Der Hauptverdächtige wurde nun in der Türkei gefasst.
SCHUSSABGABE IN LOKAL IN WIEN OTTAKRING

Im vergangenen November wurde ein Mann vor einem Ecklokal in der Payergasse unweit des Yppenplatzes erschossen, ein zweiter schwer verletzt. Nach fünf Monaten auf der Flucht konnte nun ein 34-jähriger Mordverdächtiger gefasst werden, wie die Polizei am Freitag mitteilte. 

Türkische Sicherheitskräfte nahmen den österreichischen Staatsbürger am 31. Jänner am Flughafen in Istanbul fest. Am Mittwoch wurde der Mann nach Österreich überstellt und an das Landeskriminalamt Wien übergeben. Der Mann wurde wegen Mordes und versuchten Mordes gesucht.

Die Bluttat ereignete sich am Abend des 6. Novembers. Der Verdächtige soll im Zuge eines Streites mit einer Faustfeuerwaffe mehrmals auf zwei Kontrahenten geschossen haben. Ein 33-jähriger Tschetschene wurde getötet, ein 55-jähriger Serbe schwer verletzt. Zudem erlitt eine weitere Person einen Streifschuss, wie die Polizei einige Tage später bekannt gab. 

Die Opfer und die Täter sollen einander gekannt haben, wobei sich eine zwischen ihnen geführte verbale Auseinandersetzung aus dem Lokal auf die Straße verlagerte und schließlich zu der Tat führte. Zwei Komplizen des Schützen hatten sich bereits kurz nach der Tat unabhängig voneinander der Polizei gestellt

Fahndung mit EU-Haftbefehl

Der 34-jährige Hauptverdächtige, ein österreichischer Staatsbürger, war den Ermittlern bald nach den Schüssen namentlich bekannt gewesen, sein Aufenthaltsort jedoch nicht. Es wurde ein EU-Haftbefehl gegen den Mann erlassen, seit Mitte November auch mit Fahndungsfotos nach ihm gesucht.

Männer in weißen Overalls am Tatort in Ottakring.

Was folgte waren monatelange, akribische Ermittlungen des Landeskriminalamtes Wien, die die Ermittler schließlich in die Türkei führten. Durch die enge Zusammenarbeit der Verbindungsbeamten des Bundesministeriums für Inneres (BMI) in Istanbul und Ankara, der Dokumentenberater des BMI und des Landeskriminalamts Wien mit der türkischen Migrationsbehörde PMM konnte der Mann schließlich gefasst werden.

U-Haft beantragt

Der 34-Jährige wurde mittlerweile in eine Justizanstalt eingeliefert. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, sagte zur APA auf Anfrage, dass die Untersuchungshaft über den Verdächtigen bereits beantragt wurde. 

„Die Festnahme des Tatverdächtigen ist ein bedeutender Ermittlungserfolg und das Ergebnis der engagierten, professionellen und internationalen Zusammenarbeit aller beteiligten Kräfte“, sagte Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl.

Lob kommt für die Festnahme auch von Innenminister Gerhard Karner: „Ein international gesuchter Mordverdächtiger konnte in der Türkei ausgeforscht und festgenommen werden. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen österreichischen Verbindungsbeamten, Dokumentenexperten und dem Landeskriminalamt Wien. Unser Dank gilt diesem großartigen Ermittler-Netzwerk, dessen konsequentes Vorgehen die Sicherheit der Bevölkerung erhöht.“

Verbindungsbeamte im Einsatz

Laut Innenministerium übermitteln derzeit 23 Verbindungsbeamte und sieben Verbindungsbeamtinnen von vier Kontinenten „fundierte Einschätzungen sicherheitspolitisch relevanter Entwicklungen nach Österreich“. Die Verbindungsbeamtinnen und -beamten hätten sich dabei in den vergangenen Jahren „von ursprünglichen Polizeiattachés zu Generalistinnen und Generalisten entwickelt, die als Bindeglied zwischen österreichischen und ausländischen Sicherheits- und Partnerbehörden vielfältig im Einsatz sind“, hieß es aus dem Ressort.

Besonderes Augenmerk gelte dabei auch den sogenannten Dokumentenberaterinnen und -beratern. „Passagiere, die illegal in einen der Schengen-Staaten zu reisen versuchen, können bereits im Drittstaat überprüft und an der Einreise gehindert werden“, so das Innenministerium in einer Aussendung. Von diesen Beamten seien derzeit zehn im Ausland im Einsatz.

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