Chronik | Wien
13.03.2013

Wiener Stadtgeheimnis endlich enthüllt

"Opernpassag" ist kein Schreibfehler - sondern künstlerische Freiheit. Nun kommt ein neues Schild.

Eines der eventuell größten Geheimnisse Wiens ist enthüllt: Jener direkt bei der Oper gelegene Abgang zur Opernpassage ist vorsätzlich falsch beschriftet. Dort prangt seit dem Jahr 2000 in großen Lettern "Opernpassag". Auf das "e" wurde verzichtet. Dies ist nun auch dem Kontrollamt aufgefallen. Die Recherchen ergaben nicht nur, dass das damalige Planungsbüro den Schriftzug mit "künstlerischer Freiheit" begründete, sondern auch, dass es permanente Beschwerden gibt.

Die ungewöhnliche Beschriftung gibt laut einem aktuelle Prüfbericht "laufend Anlass" für telefonische Anfragen bei der zuständigen Magistratsabteilung 28 (Straßenbau und Straßenverwaltung). Oft werde ein Fehler bei der Montage vermutet. Dem ist jedoch nicht so: Die MA 28 hat dem Kontrollamt erklärt, dass die Planer damals das "e" absichtlich weggelassen haben.

MA 28 beklagt Zeitaufwand

Große Freude hat man damit aber offenbar nicht: Für die MA 28 stelle dies einen "immerwährenden Erklärungsbedarf" dar, der mit einem "nicht unwesentlichen Zeitaufwand" verbunden sei, heißt es. Die städtischen Prüfer schlagen nun Abhilfe vor: "Das Kontrollamt empfahl der Magistratsabteilung 28, Maßnahmen zur Information der Passantinnen und Passanten über die Kunstinstallation zu ergreifen, um den laufenden Beschwerdeanrufen entgegenzuwirken."

Tatsächlich geht die Straßenabteilung noch einen Schritt weiter. Das Schild wird demnächst ersetzt, wie ein MA-28-Sprecher mitteilte. Künftig wird "Opernpassage" dort stehen. Das derzeitige Erscheinungsbild soll - so viel wurde weiters bekannt - übrigens eine Laufschrift simulieren.

Wobei das Kontrollamt in den Wiener Ring-Passagen keineswegs nur Druckfehler gefunden hat. Beklagt wurde auch die Sauberkeit mancher Bauwerke. In manchen Nebenräumen, wie etwa im sogenannten Jonas-Reindl (offiziell: Schottentor-Passage) bei der Universität, wurden regelrechte Müllablagerungen entdeckt. Doch auch der öffentlich zugängliche Bereich mancher Passagen lässt laut Kontrollamt - dank alter Graffitis und Taubenkot - zu wünschen übrig.