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OPEC-Anschlag

Justiz prüft jetzt, ob sie den Terroristen Carlos haben will

In Paris bestätigte ein Gericht die lebenslange Haft für den Top-Terroristen. Jetzt ist die Wiener Staatsanwaltschaft am Zug.

von Nihad Amara

06/28/2013, 04:00 AM

Setzt die heimische Justiz einen Schlussstrich unter den spektakulärsten Terroranschlag der Zweiten Republik – jenen auf die OPEC-Konferenz 1975 in Wien?

Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Staatsanwaltschaft Wien. Anlass dazu gab ein Berufungsgericht in Paris. Vier Anschläge, elf Tote, 150 Verletzte. Für diese Taten aus den 1980er Jahren wurde Top-Terrorist „Carlos“, der mit bürgerlichen Namen Illich Ramirez Sanchez heißt, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Pariser Behörde bestätigte am Mittwoch das Urteil.

In Österreich wurde der Venezolaner, 63, nie zur Rechenschaft gezogen. Der Fall landete nie vor Gericht. Dabei gilt es als unbestritten, dass er jenes sechsköpfige Terrorkommando befehligte, das drei Personen tötete und anschließend 33 Geiseln nahm. Er steht im konkreten Verdacht, ein libysches Delegationsmitglied liquidiert zu haben. Da es dafür keine Verjährungsfrist gibt, wäre ein Prozess in Wien nicht ausgeschlossen.

Der KURIER fragte bei der zuständigen Wiener Staatsanwaltschaft nach: Wird die Behörde die Auslieferung beantragen? Der Akt ist verstaubt, der zuständige Staatsanwalt längst im Ruhestand. Die Sprecherin der Anklagebehörde, Nina Bussek, erklärt: „Wie wir in diesem Fall weiter vorgehen, müssen wir erst prüfen.“ Außerdem warte man noch auf die nötigen Unterlagen.

Bisher keine Auslieferung

Mit einem solchen Vorhaben, betont Bussek, sei die Behörde bereits ein Mal gescheitert. Carlos ist bereits seit 1994 in Frankreich inhaftiert. „Es gab bereits ein Auslieferungsbegehren an die französischen Behörden“, erklärt Bussek. Doch diese rückten den Top-Terroristen damals nicht heraus. Allerdings liegt der Versuch bereits 14 Jahre zurück.

38 Jahre nach dem Anschlag ist man von einer juristischen Aufarbeit weit entfernt. Nicht nur die Spurenlage ist dürftig, auch viele Zeugen sind mittlerweile verstorben.

Die Aktion war von langer Hand geplant. Der Plan sah vor, die Minister der Erdöl-Konferenz zu entführen und sie dazu zu zwingen, in ihrer Heimat eine pro-palästinensische Erklärung zu verlesen. Am 21. Dezember, gegen 11.45 Uhr, spazierten die sechs bewaffneten Terroristen in die OPEC-Zentrale am Karl-Lueger-Ring. Bereits im Lift wurde der Polizist Anton Tichler liquidiert. Im Konferenzraum stirbt ein Libyer, angeblich durch Kugeln von Carlos. Ein irakischer Leibwächter wird ebenfalls erschossen. Tags darauf setzen sich die Kidnapper mit 33 Geiseln, darunter elf Ölminister, in einer AUA-Maschine ab. In Algerien kamen die Entführten gegen Lösegeld frei.

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