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Chronik Wien
08/28/2019

Nächtliche Hubschrauberflüge: Schlaflos in Wien-Meidling

Anrainer beschweren sich über nächtliche Einsätze des Polizeihubschraubers, Grund ist eine Verzögerung beim Hangar-Bau in Schwechat.

von Konstantin Auer, Patrick Wammerl

Zwischen 2 und 3 Uhr Früh kreist ein Polizeihubschrauber über dem Südwesten Wiens. Im Tiefflug und mit Suchscheinwerfer. Mit offenem Fenster lässt es sich bei dem lauten Surren nicht schlafen. Wie Anrainer dem KURIER berichten, fliegt der Hubschrauber fast jede Nacht – und das ein bis zwei Mal. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

Ab- und Einflugschneise der Flugpolizei befinden sich über Meidling. Eigentlich sollte aus Lärmschutzgründen von der Einsatzstelle in der Ruckergasse nur tagsüber gestartet werden, in der Nacht vom Flughafen Schwechat.

Weil Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) allerdings die Standort-Reformpläne seines Vorgängers Wolfgang Sobotka (ÖVP) über Bord warf, muss nun ein neuer Standort am Flughafen Wien-Schwechat gebaut werden.

Unter Sobotka hätte die Zentrale der Flugpolizei eigentlich nach Wiener Neustadt verlegt werden sollen. Kickl verfolgte allerdings andere Pläne (siehe Info-Box).

Verzögerung in Schwechat

Zum Leidwesen der lärmgeplagten Anrainer in Wien verzögern sich nun die Arbeiten in Schwechat. Der Hangar sollte eigentlich im Oktober 2019 in Betrieb genommen werden. „Durch Verzögerungen im Behördenverfahren wird es allerdings etwas länger dauern“, sagt der Leiter der Flugpolizei, Werner Senn.

Er rechnet damit, dass der Standort in Schwechat Anfang 2020 zur Verfügung stehen wird. Bis dahin starten alle Polizeihubschrauber Ostösterreichs von Meidling aus – auch in der Nacht.

Beschwerdeflut

Auf Twitter beschweren sich dutzende User über die nächtliche Störung: „Sind das Ihre Hubschrauber, die krampfhaft versuchen, das südliche Wien um den Schlaf zu bringen“, fragt einer die Wiener Landespolizeidirektion. „Bitte schleich dich“, fordert ein anderer.

Selbst der Bezirksvorsteher von Meidling, Wilfried Zankl (SPÖ), ist überrascht über die Verzögerungen beim Bau in Schwechat: „Darüber wurde ich nicht informiert. Ich habe nach den zahlreichen Beschwerden von Anrainern immer auf Ende 2019 verwiesen.“

In Sachen Information der Öffentlichkeit sieht er aber „den Verursacher in der Pflicht“. Grundsätzlich, sagt Zankl, habe er Verständnis für die Arbeit der Polizei. Schließlich müsse sie ihre Aufgaben wahrnehmen. Aber: Er sei vor allem für die Meidlinger da. „Und wir haben hier keine große Freude mit den Hubschraubern“, sagt er.

Der Leiter der Flugpolizei weist die Kritik aus dem Bezirk zurück: Man habe die Stadt Wien, die Landespolizeidirektion und auch die Bezirksvertretung sehr wohl informiert. Tatsächlich fliegt der Nachtsicht-Hubschrauber laut Innenministerium durchschnittlich zwei Einsätze pro Nacht.

„Die Flugpolizei ist bemüht, die Lärmbelästigung für die Anrainer in den Nachtstunden so gering wie möglich zu halten“, heißt es aus dem Ministerium. In Zukunft soll die Flugeinsatzstelle Wien-Meidling für den Tagesbetrieb und für Wartungsarbeiten an den Helikoptern genutzt werden.

Der Nachtbetrieb soll aber – sobald der Hangar in Schwechat fertiggebaut ist – wieder von dort starten. Dort wird ein 24-Stunden-Schwerpunkt-Hubschrauber stationiert. Angefordert wird dieser meist von der Polizei zur Unterstützung bei Fahndungen, Verfolgungen oder der Begleitung von Geldtransportern.

Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 hob das Innenministerium offiziell in die Lüfte ab. Im März 1956 konnte das erste Mal eine verunfallte Skifahrerin von der Flugpolizei von einem mit Kufen ausgestatteten Piper-Motorflugzeug von Kühtai nach Innsbruck geflogen werden.

Mittlerweile werden von acht Standorten in Österreich mit insgesamt 16 Hubschraubern rund 4500 Einsätze pro Jahr geflogen.

Im Jahr 2017 beschloss der damalige ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka eine Standortreform. Wegen der Anrainerprobleme in Wien sollte für 15 Millionen Euro eine neue Flugeinsatzzentrale für acht Hubschrauber am Gelände der Polizei-Sondereinheit Cobra in Wiener Neustadt errichtet werden.

Obwohl bereits eine halbe Million Euro in den Architektenbewerb und die Vorplanungen geflossen waren, kippte Sobotkas Nachfolger Herbert Kickl (FPÖ) das Projekt „aus wirtschaftlichen Gründen“.

Stattdessen bleibt die Zentrale in Wien-Meidling. Für die Nachtflüge und einen weiteren Einsatzhubschrauber werden derzeit am Flughafen Wien-Schwechat zwei neue Hangaranlagen gebaut.