Chronik | Wien
02.09.2018

Nachtschicht bei der Berufsrettung: Ein Team für alle Notfälle

Lokalaugenschein: Der KURIER war eine Nacht lang mit einem Einsatzwagen der Berufsrettung unterwegs.

Die Sirene hallt durch Hernals. Sabine Dunkl und Mathias Ondrak sind auf dem Weg zum ersten Einsatz in ihrer Nachtschicht bei der Wiener Berufsrettung. Die beiden Sanitäter sind mit dem Rettungswagen unterwegs, der KURIER darf sie begleiten.

An diesem Abend rechnen sie mit vielen Einsätzen: Die Hitze macht den Menschen zu schaffen. Gleich der erste Notruf kommt aus einem Lokal. Ein Mann hat einen Zusammenbruch erlitten. Mathias Ondrak steuert den Wagen. Seine Ausbildung zum Einsatz-Lenker hat neun Monate gedauert. Mit der Sirene durch den Wiener Verkehr zu eilen will gelernt sein. Sabine Dunkl ist Notfallsanitäterin mit Notfallkompetenz Intubation (NKI). Ihre Ausbildung umfasste 340 Stunden Theorie und 600 Stunden Praxis.

Als die beiden bei dem Lokal am Einsatzort ankommen, ist der Patient ansprechbar. Man merkt sofort, dass die Sanitäter ein großes Einfühlungsvermögen haben, und auch die Gabe, die Patienten zu beruhigen. Noch vor Ort wird mit einem mobilen Gerät ein EKG gemacht, auf dem Weg ins AKH folgt das zweite: „So kann ich feststellen, ob es Veränderungen im EKG gibt. Das würde auf Herzprobleme hinweisen, und ich kann den Ärzten im Spital diesen Verdacht gleich mitteilen“, sagt Dunkl.

Beim Einrücken in die Rettungsstation in Hernals meldet sich erneut der Alarm. Auf dem Gerät ist zu lesen: „Drei Monate, männlich, Sturz.“ Das kann vieles bedeuten. Die Stimmung im Rettungswagen ist sofort merklich angespannt. Als der Rettungswagen ankommt, finden die Sanitäter die aufgelöste Mutter des Kindes vor. Der kleine Bub, der aus seinem Bettchen gefallen ist, schreit, seine Vitalfunktionen sind nach einer ersten Überprüfung aber in Ordnung. Sabine Dunkl beruhigt die Mutter.

Weil bereits mehrere Notfälle ins AKH kamen, müssen die Sanitäter den Buben in die Kinderabteilung ins Donauspital quer durch die Stadt fahren. Solche Einsätze gehen auch den erfahrenen Sanitätern manchmal an die Nieren. „Ich bin selbst Mutter, deshalb denkt man über Fälle wie diesen natürlich schon länger nach. Aber wir sind ein tolles Team und können gut miteinander sprechen“, sagt Dunkl.

Zuhause aufarbeiten

Außerdem haben beide Sanitäter, die der KURIER begleiten darf, Partner, die ebenfalls im Gesundheitswesen arbeiten. „Das ist schon ein Vorteil. Nicht nur, weil man sich austauschen kann, auch wegen der Schichten. Dafür braucht man natürlich Verständnis“, sagt Dunkl. Die Arbeitszeit beträgt jeweils 12,5 Stunden in zwei aufeinanderfolgenden Tag- und Nachtschichten. Danach sind vier Tage frei.

Dieses Schicht-Modell haben alle Beschäftigten bei der Wiener Berufsrettung. Zu dem Job gekommen sind die beiden aus unterschiedlichen Gründen. Mathias Ondrak hat seine Leidenschaft beim Zivildienst entdeckt: „Ich möchte mich bis zum Notfallsanitäter weiterbilden, wie es Sabine schon ist.“ Die 30-Jährige hat ihren Beruf quasi in die Wiege gelegt bekommen, denn auch ihre Eltern waren Sanitäter.

Dunkl und Ondrak sind fast immer gemeinsam als Team unterwegs. Das helfe beim Einsatz, weil man sich nach einer gewissen Zeit schon fast blind verstehe und die Handgriffe des anderen kenne, wenn sie am wichtigsten sind. Die Leidenschaft für ihren Beruf merkt man beiden Sanitätern an – zum Glück für die Wiener.