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Chronik Wien
07/18/2019

Nach Unfall: Zwangspause für den Roboter-Bus der Wiener Linien

Die Wiener Linien stellten den Betrieb in der Seestadt Aspern sofort ein. Experten suchen nach der Ursache.

von Birgit Seiser

Im ersten Moment wurden unweigerlich Erinnerungen an den tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Uber-Auto in Arizona im Vorjahr wach. Damals kam eine Frau ums Leben.

Zum Glück weit weniger dramatisch verlief der Zwischenfall gestern in der Seestadt in Wien-Aspern (Donaustadt). Gegen 9.30 Uhr war eine 30-Jährige in der Ilse-Arlt-Straße unterwegs, als ein selbstfahrender Bus der Wiener Linien gerade auf Höhe der Hausnummer 22 fuhr. Die Frau hatte Kopfhörer in den Ohren und schaute auf ihr Handy. Als sie die Straße betrat, wurde sie seitlich von dem Fahrzeug erfasst. Die Frau erlitt leichte Abschürfungen.

Technischer Fehler

Eigentlich hätte der selbstfahrende Bus das menschliche Hindernis früh genug erkennen und reagieren – also entweder ausweichen oder bremsen – müssen. Das ist aber nicht passiert: „Der Bus hat erst angehalten, als die Frau ihn schon berührt hatte“, sagt Wiener-Linien-Sprecherin Barbara Pertl.

Seit Juni sind die autonomen Öffis in der Seestadt im Rahmen eines Forschungsprojekts im Einsatz. Auch in Pörtschach und Wiener Neustadt fährt ein autonomer Bus, in Salzburg wird derzeit getestet. Fahrer gibt es keinen. Die Gefährte werden lediglich von einer Art Schaffner begleitet.

Als Reaktion auf den Unfall müssen die Wiener Busse erst einmal in der Garage bleiben. Laut Wiener Linien sind bereits Experten des französischen Herstellers auf den Weg nach Wien, um die Ursache zu untersuchen.

Der KURIER hat Unfallforscher Ernst Pfleger um eine Einschätzung gebeten: „Die Frage ist: Welche Sensoren werden bei den Bussen genutzt und was können sie? Es wäre wichtig, dass die Fahrzeug-Hersteller, die Sensorentwickler und die Wiener Linien dem Sachverständigen Einblicke geben, welche Technik verwendet wird.“

Prinzipiell begrüßt der Experte die Innovation. Dennoch befürchtet er, dass allenfalls nicht alle möglichen Gefahren und Interaktionen genau durchdacht wurden.

Auch die Schuldfrage ist relevant. „In dem Moment, wo ein Personenschaden entstanden ist, muss den Unfall vor Gericht behandelt werden. Hier kommen wir dann wieder zur spannenden Frage nach der Schuld, die von den Rechtsexperten zu klären ist. Sind die Fahrzeug-Herstellerfirma oder die Sensor-Hersteller oder vielleicht die jeweiligen Verkehrsbetriebe schuld?“, fragt Pfleger.

Die Wiener Linien geben an, dass das ganze Projekt als solches versichert sei. Die Sensoren seien ein Teil des Forschungsprojekts.

Zweiter Vorfall

Beim Lokalaugenschein traf der KURIER vor Ort eine Anrainerin die erzählt, dass ihr Sohn leidenschaftlich gerne mit dem Bus unterwegs war.

Bedenken habe sie keine, obwohl es schon einen ähnliches Vorfall gegeben hat, wie sie erzählt. „Damals ist ein Bursche mit Kopfhörern in den Ohren vor dem Bus gewesen. Der Bus hat wie wild gebimmelt, der Bursche hat aber keinerlei Anstalten gemacht, wegzugehen. Im Endeffekt hat der Bus eine Vollbremsung hingelegt.“ Warum das am Donnerstag nicht funktioniert hat, bleibt vorerst ungeklärt.