Chronik | Wien
25.06.2018

Mutter und Tochter tot: Ursache bleibt unklar

Toxikologische Untersuchungen sind abgeschlossen. Staatsanwaltschaft schließt die Akte.

Der Fall um den Tod von Fatma G. (45) und ihrer Tochter Tuba Ö. (15) wird ad acta gelegt. Die beiden Türkinnen waren im Februar tot in einem Wiener Gemeindebau aufgefunden worden, was für einen Mordalarm sorgte. Die Leichen waren mehrere Wochen lang in der Wohnung in der Rußbergstraße gelegen und wiesen bereits starke Verwesungen auf. Durch eine Obduktion konnten keine äußerliche Verletzungen festgestellt und Fremdverschulden ausgeschlossen werden. Jedoch stellte die Todesursache die Ermittler vor ein Rätsel.

Blut untersucht

Ein toxikologisches Gutachten sollte Klarheit darüber bringen, woran Fatma G. und Tuba Ö. wirklich gestorben sind. Das Ergebnis liegt der Staatsanwaltschaft Wien mittlerweile vor. Durch dieses kann eine Kohlenmonoxid-Vergiftung jedenfalls ausgeschlossen werden. Woran die beiden Türkinnen tatsächlich gestorben sind, wird aber für immer ein Rätsel bleiben.

Im Blut der beiden Verstorbenen konnten keine verdächtigen Substanzen, wie Medikamente festgestellt werden. Der Zeitraum zwischen dem Tod und der Untersuchung sei zu groß gewesen, heißt es von der Staatsanwaltschaft. „Es ist nicht mehr nachvollziehbar“, sagt Sprecherin Christina Ratz.

Die Ermittlungen ergaben, dass es mit ziemlicher Sicherheit keine Einwirkung durch eine dritte Person gegeben hat. „Deshalb ermitteln wir nicht mehr weiter. Das Verfahren wird somit eingestellt“, sagt Ratz. Die Hinterbliebenen vermuteten bereits im Februar im KURIER-Gespräch einen zweifachen Selbstmord. Was dafür sprechen könnte: Die Toten wurden in separaten Zimmern sowie Betten aufgefunden.

Jugendamt aktiv

Die Familie war für das Wiener Jugendamt kein unbeschriebenes Blatt. Die 15-Jährige soll laut MA11 ein äußerst schwieriger Fall gewesen sein. „Sie verweigerte die Kooperation mit uns; hat alles abgelehnt, auch eine psychiatrische Behandlung.“

Gegenüber ihrer Mutter soll der Teenager immer wieder den Ton angegeben haben. Doch auch Fatma G. dürfte psychisch auffällig gewesen sein. Ihre dreijährige Tochter wurde der 45-Jährigen vergangenes Jahr weggenommen und dem leiblichen Vater zugesprochen, weil sie misshandelt worden sein soll. Laut Jugendamt wies das Mädchen blaue Flecken und auch Brandwunden auf. Ein Nachbarin erzählte, das letzte Lebenszeichen habe es vor Silvester gegeben.