Mordversuch in Wiener Wasserpark: Prozess hat begonnen
Symbolbild
Im Wiener Straflandesgericht hat am Montag der fünftägige Prozess rund um eine brutale Attacke im Wiener Wasserpark in Floridsdorf begonnen. Rund 20 Syrer gingen am 19. November 2025 wegen "gekränkter Ehre" mit Stöcken, Schlagringen, einer Schreckschusspistole, Pfefferspray und Messern auf vier junge Männer los. Am Ende gab es vier zum Teil Schwerverletzte. Zehn der Angreifer im Alter von 16 bis 27 Jahren - einige konnten unerkannt entkommen - sind nun angeklagt.
Neben absichtlich schwerer Körperverletzung ist auch der 16-jährige Beschuldigte wegen Mordversuchs angeklagt. Da der Bursche allerdings zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt war, musste er sich am Montag nicht vor einem Geschworenen-, sondern vor einem Schöffengericht verantworten. Die Strafdrohung für Mord liegt bei Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 bei einem bis zu zehn Jahren Haft.
"Massive Gewaltattacke" im Park
Die Staatsanwältin sprach von einer "massiven Gewaltattacke" in ihrem Eröffnungsplädoyer. Im Vorfeld dürfte es zwischen einem Opfer und dem Rädelsführer der syrischen Gruppierung zu einer "Ehrverletzung" gekommen sein. Diese habe er sich laut Anklägerin nicht gefallen lassen und plante eine "gewaltige Abreibung". Dazu rief er über eine Chatgruppe seine Freunde dazu auf, am 19. November um 17 Uhr bewaffnet zu der Moschee in Floridsdorf zu kommen. Der Rädelsführer musste sich am Montag nicht vor Gericht verantworten. Er ist noch auf der Flucht, dafür nahmen zwei seiner Brüder auf der Anklagebank Platz.
Das Opfer, das an eine friedliche Aussprache glaubte, wurde für 17.30 Uhr zum Skaterplatz im Wasserpark bestellt. Dieser ging, davon aus, dass es ein ruhiges Gespräch geben wird, weshalb er seinen jüngeren Bruder und zwei Freunde - darunter ein 14-Jähriger - zu dem Treffen mitnahm. Als sie beim Skaterpark warteten, rannte plötzlich eine 20-köpfige, schreiende Meute auf sie zu und attackierte sie sofort.
14-Jähriger erlitt Stich in den Rücken
Das ursprüngliche Opfer blieb fast unverletzt, sein jüngerer Bruder erlitt Stichverletzungen im unteren Rücken. Sie konnten sich noch in eine nahe Garage flüchten. Ein Freund wurde mit einer Eisenstange geschlagen und erlitt Messerstiche in Oberschenkel und Gesäß. Der 14-Jährige wurde am schlimmsten zugerichtet. Zunächst wurde er mit dem Stock geschlagen. Danach soll sich der damals 15-Jährige auf ihn draufgesetzt und ein Messer in den Rücken und in das Gesäß gestochen haben, was die Staatsanwaltschaft als Mordversuch wertet. Das Opfer ist vor Ort blutend zusammengebrochen und musste tagelang stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.
Die bewaffnete Meute trat die Flucht an. Zehn von ihnen wurden festgenommen, sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Bisher hatten sie zum Teil die Aussage verweigert oder jegliche Schuld von sich gewiesen. Die Beschuldigten wurden allerdings von den Opfern und auch Zeugen erkannt. Außerdem werden sie von Bildern aus Überwachungskameras und den Handyauswertungen belastet.
Alle bekannten sich nicht schuldig
Alle zehn Angeklagten bekannten sich nicht schuldig. Sie seien zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Einige wären nur zufällig in der Nähe des Tatorts gewesen, andere seien nur "aus Neugierde" hingekommen, weil sie von der Schlägerei erfahren hatten.
Zwei der Angeklagten wiesen bereits Vorstrafen auf, alle anderen sind bisher unbescholten. Nur einer von ihnen - der Älteste - ging einer geregelten Arbeit nach, zwei besuchten die Abendschule einer HTL, der Großteil lebte von bis zu 1.200 Euro sozialen Leistungen aus Österreich.
Für Unruhe sorgte auch ein Freund der Angeklagten, die teilweise grinsend unter schwerer Bewachung den Gerichtssaal betraten. Er filmte trotz verhängtem Film- und Fotografierverbot das Großaufgebot an Justizwachebeamtinnen und -beamten. Auf die Frage der Richterin, was das soll, meinte er: "Ich habe meine Freunde aufgenommen." Daraufhin wurden seine Daten registriert, das Video gelöscht und er verwarnt. Bei einem weiteren Verstoß werden die Zuschauerinnen und Zuschauer des Saales verwiesen, kündigte der beisitzende Richter an. In drei Zuschauerreihen nahmen zahlreiche Verwandte und Freunde Platz, darunter ein offensichtlich schulpflichtiges Kind.
Der Prozess ist bis zum 27. Juli anberaumt. Am 30. Juni werden die Opfer unter größten Sicherheitsvorkehrungen aussagen.
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