Chronik | Wien 14.03.2018

Messerattacke auf Wachsoldaten: "Mohamed war verwirrt"

ABD0005_20180312 - WIEN - ÖSTERREICH: Ein Überwachungsposten des österreichischen Bundesheeres hat vor der iranischen Residenz i… © Bild: APA/HANS PUNZ

Auswertung brachte noch keine Ergebnisse / Freunde glauben nicht an radikale Tat.

Mohamed E., ein 26-jähriger Wiener mit ägyptischen Wurzeln geht mit einem Küchenmesser auf einen Wachsoldaten in Wien-Hietzing los. Erst zwei tödliche Schüsse aus der Dienstpistole des Soldaten können den Angreifer stoppen. Die Suche nach dem Motiv wirft viele Fragen in den Raum. Im Freundes- und Bekanntenkreis des Beschuldigten wird seit Montag darüber spekuliert. Eine Radikalisierung des 26-Jährigen wollen die Männer nicht wahrhaben.

Mohammed E. © Bild: Privat

In den vergangenen Monaten war es ruhig um Mohamed geworden. Er zog sich zurück, war kaum mehr mit seinen Freunden unterwegs. "Weil es ihm nicht gut gegangen ist", sagt einer von ihnen. Der 26-Jährige soll in letzter Zeit verwirrt gewirkt haben. "Es dürfte ihm nicht gut gegangen sein. Er war geistig nicht im besten Zustand und hat sich nicht zu helfen gewusst", sagt der Freund.

Perspektivlos

Mohamed E. schloss sein Studium nicht ab, verlor seinen Job und lebte mit 26 Jahren noch in der Wohnung der Eltern in einem Penzinger Gemeindebau. E. war bekennender Muslim, besuchte verschiedene Moscheen und betete fünf Mal pro Tag.

Einmal zog er von daheim aus; der Grund soll ein Krach mit seinen Eltern gewesen sein. Danach lebte er bei Bekannten, wohnte später erneut bei seinen Eltern und sah für die Zukunft schwarz. Wollte Mohamed E. wegen seiner Perspektivlosigkeit sterben? Einige Freunde vermuten eine "Suicide-by-cop"-Tat, denn Selbstmord ist im Islam eine Sünde. "Und die Religion war der Sinn seines Lebens", sagt ein Freund.

Der verletzte Korporal wird indes weiterhin stationär behandelt. Er soll erst in den kommenden Tagen das Krankenhaus verlassen. Seine Kameraden haben am Dienstag den Befehl erhalten, sich öffentlich zu tarnen. Die Soldaten des Bundesheers dürfen auf Grund der aktuellen Ereignisse ihre Kasernen somit nur mehr in Zivilkleidung verlassen.

Laut KURIER-Informationen haben die Ermittler bisher auf den sichergestellten Datenträgern keine Hinweise auf eine religiös oder politisch motivierte Tat gefunden. Falls die Befragungen und Auswertungen kein klares Tatmotiv liefern, weiß nur Mohamed E. selbst, was ihn an jenem Tag dazu getrieben hat.

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2018