Mensa Comunista: Günstiges Mittagessen vor der Uni Wien
Die Schlange ist lang, die Stimmung entspannt.
Knödel gibt es an diesem Montag da wie dort. Grammelknödel mit Sauerkraut in der Mensa der Uni Wien, Pilzgulasch mit Semmelknödel in der Mensa Comunista vor der Hauptuni. Während die Portion in der offiziellen Unimensa 7,5 Euro kostet, gibt es sie hier, unter freiem Himmel neben dem Jonasreindl, aber schon gegen eine freiwillige Spendenempfehlung von drei Euro.
Als Protest gegen die Teuerung und für leistbares Essen für Studierende organisiert der Kommunistische Studierendenverband hier nun zum fünften Mal das günstige Angebot. Jeden Montag wird hier ein pflanzliches Mittagessen serviert, für Studierende – beziehungsweise alle, die sich ein günstiges warmes Essen wünschen. „Es kommen auch immer wieder Pensionistinnen vorbei“, erzählt Lukas Zwerina, Sprecher der Mensa Comunista und politischer Geschäftsführer der Jungen Linken. Weggeschickt wird niemand – bis das Essen aus ist. „Mit 100 Portionen haben wir beim ersten Mal begonnen, heute kochen wir schon über 200 Portionen“, sagt Zwerina. „Wir könnten auch mehr machen. Die Nachfrage ist groß.“ Schon 15 Minuten vor Beginn der Essensausgabe reicht die Schlange bis zur großen Uni-Freitreppe.
Das Tagesmenü: Pilzgulasch mit Semmelknödel.
Infrastruktur nutzen
Was an den Unis in Graz und Salzburg als temporäre Protestaktion startete, wird nun in Wien als langfristiges Projekt angelegt. „Wir wollten eine selbstorganisierte echte Entlastung für Studierende“, erklärt Zwerina. Woche für Woche wird die Mensa als politische Kundgebung auf der öffentlichen Fläche vor der Uni angemeldet. Finanziert wird das Projekt durch die Spenden.
Und was ist die langfristige Perspektive der Veranstalter? Eine Preissenkung der Unimensen wäre sicherlich wünschenswert, ist aber aufgrund der Koppelung an die aktuelle ökonomische Situation keine zuverlässige Entlastung „Es braucht nur eine neue Regierung oder eine Wirtschaftskrise, und die Preissenkung wird gestrichen.“ Stattdessen könnte man langfristig bestehende Infrastruktur nutzen. Eine Mensa am Neuen Institutsgebäude stehe etwa bereits seit Jahren leer und würde sich für eine ehrenamtliche Nutzung eignen.
Viele Freiwillige
Startete die Mensa Comunista im April noch mit einigen wenigen Freiwilligen, haben sich bis heute schon mehrere Hundert Studierende gemeldet, die ein paar Stunden ihrer Zeit beim gemeinsamen Kochen und Einkaufen zur Verfügung stellen. „Das ist auch das, was wir unter Solidarität verstehen“, sagt Zwerina.
Gekocht wird aktuell in einem Café, das montags geschlossen ist und seine Küche zur Verfügung stellt – unter strenger Einhaltung eines Hygienekonzepts, wie Zwerina betont. Dabei komme man immer deckungsgleich aus. Bleibt Geld über, wird es in neues Kochgerät investiert.
„Es dauert noch 15 Minuten“, ruft einer der Helfer in die wartende Menge. Die nimmt die Nachricht gelassen auf. „Die Leute haben Verständnis, weil sie wissen, dass das hier komplett selbst von Studierenden für Studierende organisiert wird“, sagt einer der Freiwilligen.
Kommentare