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Matthäus W.
02/27/2013

Vermisster Arzt: Kritik an der Polizei

Nach zwei Monaten wurde das Handy des Mediziners noch immer nicht genau ausgewertet.

von Dominik Schreiber

Am morgigen Donnerstag sind es genau zwei Monate her, dass es ein letztes Lebenszeichen von Matthäus W. gab. Der Arzt hatte am 28. Dezember das Rudolfinerhaus verlassen und sein Handy war zuletzt um 16.42 Uhr in der Gegend um den Karl-Marx- Hof in Döbling eingelogged. Gegen 18 Uhr wurde er in der U-Bahnstation Heiligenstadt das letzte Mal lebend gesehen – seither fehlt jede Spur von dem 41-jährigen Mann. Auch die erfahrenen Kriminalisten der Mordgruppe konnten bisher noch keine Spur finden.

KURIER: Ihr Bruder ist nun seit bald zwei Monaten vermisst. Gibt es endlich eine konkretere Spur zu Matthäus W.?

Sebastian W.:Die Rufnummernauswertung ist nun fertig, sein letztes Gespräch hat er am 28. Dezember – dem Tag seines Verschwindens – geführt. Gegen 17 Uhr hat er seine Mobilbox angerufen. Allerdings wurde er nachher noch in der U-Bahnstation in Heiligenstadt gesehen, also bringt uns das auch nicht viel. Außerdem gibt es immer wieder neue Hinweise aus seinem Patientenumfeld, so soll er sogar schon am 20. Dezember auf Urlaub gewesen sein.

Mehr gibt es nicht?

Es könnte mehr geben, denn er hat ein Google-Handy gehabt. Und das zeichnet sehr viel auf, zum Beispiel wenn man Orte auf Google Maps sucht oder mit einem Tastendruck die Google-Suche verwendet. Der Google-Chef von Österreich hat mir persönlich seine Unterstützung versichert. Er würde versuchen die Herausgabe der entsprechenden Daten und Logfiles zu beschleunigen, wenn die Polizei oder das Gericht sie entsprechend anfordert.

Und warum wurde das bisher noch nicht ausgewertet?

Die Staatsanwaltschaft sagt, dass es von der Polizei nicht abgefragt wurde und die Polizei sagt, der Staatsanwalt lässt sie das nicht abfragen. Das ist sehr frustrierend, wenn man nach seinem Bruder sucht und sich an jeden Strohhalm klammert.

Also kritisieren sie die bis­herigen Ermittlungen?

Die Kriminalpolizei ist wirklich sehr nett zu unserer Familie, zu meinem Vater und meiner Mutter. Aber das hilft uns nicht bei der Suche nach meinem Bruder. Das mit den nicht angefragten Logfiles ist wie wenn auf einem Tatort ein Zigarettenstummel gefunden wird und man sagt: „Gut, den Stummel lassen wir da, den brauchen wir nicht.“ Manchmal wird da noch wie vor vielen Jahren in Zeiten des Festnetztelefons ermittelt. Aber das System ist das Hauptproblem, nicht die einzelnen Beamten. Wenn es um die El Kaida geht, dann klappt so etwas wie am Schnürchen. Aber bei meinem Bruder funktioniert es nicht. Dabei will ich nur eines: Ihn finden. Momentan ist die Situation aber weiterhin schlimm und ich hoffe, dass die Ermittlungen nicht einschlafen.

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