Mariahilfs Bezirkschef legt Amt zurück: "Entscheidung schmerzt"
Zwölf Jahre lang stand er an der Spitze des 6. Wiener Gemeindebezirks, nun zieht Markus Rumelhart (SPÖ) aber einen Schlussstrich. Via Aussendung gab er am Montag bekannt, dass er sein Amt als Bezirksvorsteher zurücklegen und sich aus der aktiven Bezirkspolitik zurückziehen werde.
Der 50-Jährige begründet diesen Schritt mit seiner Gesundheit: Wie er selbst öffentlich macht, leidet der Politiker an Burn-out. „Seit vielen Monaten führe ich nun einen Kampf für meine Gesundheit. Mein Wille, gemeinsam mit den Mariahilferinnen und Mariahilfern unseren großartigen Bezirk im Sinne sozialdemokratischer Werte zu gestalten, ist nach wie vor groß, aber die Diagnose ‚Burn-out‘ der Ärzte ist leider unmissverständlich“, erklärt er.
Die Politik zu verlassen, habe ihn aber Überwindung gekostet und „es schmerzt“, aber seine „wichtigen Aufgaben im Bezirk und meine Gesundheit lassen sich unter diesen Vorzeichen nicht miteinander verbinden“.
Herzblut für Gestaltung
Als Rumelhart 2014 Bezirkschef wurde, war er nicht nur der jüngste Bezirksvorsteher Wiens, sondern auch der erste, der offen mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit ging. Selbiges sei nie ein Thema gewesen, weder im alltäglichen Politgeschäft noch im Gespräch mit den Anrainerinnen und Anrainern, heißt es bei seinen Wegbegleitern im Bezirk am Montag.
Die Amtszeit von Rumelhart hat jedenfalls schon turbulent begonnen – mitten in den Umbauten der Mariahilfer Straße zur Fußgängerzone. Und damit auch in einer Zeit, in der er mit der damaligen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und dem Neubauer Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger zwei meinungsstarke Grünpolitiker als Gegenüber hatte, mit denen es auf einen Nenner zu kommen galt.
Die Mahü war aber nur ein Startschuss für vieles.
Rumelhart hatte sich generell der Gestaltung des öffentlichen Raumes verschrieben. „Sein Einsatz hat Wien ein Stück lebenswerter gemacht“, sagt darum auch der rote Klubchef Josef Taucher. „Etwa mit dem Esterhazypark als erstem Cooling-Park, der neuen Begegnungszone in der Otto-Bauer-Gasse sowie der abgeschlossenen Neugestaltung von Schmalzhoftempelpark und Loquaiplatz.“ Dass der Naschpark jetzt so aussieht wie er aussieht, sei auch Rumelhart zu verdanken, sagen seine Parteifreunde aus Mariahilf. „Er hat für eine große Grünfläche gekämpft.“
Zuletzt gab es einen Dämpfer für seinen Umgestaltungsdrang. Aufgrund des herrschenden Spardrucks wurde die Umgestaltung der Gumpendorfer Straße erst vor wenigen Monaten auf Eis gelegt, der KURIER berichtete. Zuvor waren die Ergebnisse einer groß angelegten Bürgerbefragung in die Detailplanung mit eingeflossen. Bestürzt darüber zeigte sich aber nicht mehr Rumelhart, sondern seine Stellvertreterin Julia Lessacher, die in den vergangenen Wochen schon seine Agenden übernommen hat und als seine Nachfolgerin vorgeschlagen wurde. Die offizielle Wahl soll im Februar erfolgen.
Julia Lessacher soll Rumelhart nachfolgen.
Ein Langzeitprojekt Rumelharts wurde erst kürzlich abgeschlossen: Die Eröffnung eines neuen Gemeindebaus in der Stumpergasse – mit innerstädtischem Grünraum, einem Generationenkonzept und der ersten Alters-WG Österreichs für queere Personen. Es könnte kaum ein passenderes Abschlussprojekt geben.
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