Klein, aber fein: Mariahilf abseits der großen Einkaufsstraßen

Was Anrainer und Politiker bewegt und sie sich fürs Grätzel wünschen, bevor die neue Bezirksvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ) ihr Amt antritt.
Mariahilf, Corneliusstiege

Von Franziska Trautmann

Schon am Vormittag sind die Tische im Café Jelinek in Mariahilf dicht besetzt. Manche  lesen Zeitung, andere diskutieren angeregt, am Nebentisch arbeiten zwei junge Menschen konzentriert am Laptop. Die Mischung aus Jung und Alt, Stammgästen und Neuankömmlingen, prägt das Café, aber auch den Bezirk seit Jahren.

Der 6. Bezirk ist flächenmäßig der zweitkleinste Wiens, zählt aber zu den am dichtesten besiedelten. Über 31.000 Menschen wohnen dort. Ihr Leben spielt sich in den kleinen Gassen zwischen den großen Straßen, im Norden die Mariahilfer Straße, in der Mitte die Gumpendorfer Straße und im Süden die Rechte Wienzeile mit dem belebten Naschmarkt, ab. Sie bekommen ab Freitag eine neue Bezirksvorsteherin:  Julia Lessacher von der SPÖ. Wie finden die Mariahilfer und andere Parteien den Bezirk bis jetzt? 

Jung und Alt

Die 58-jährige Karin Garzarollo freut sich, dass   junge Menschen Mariahilf entdecken. „Den Menschen gefallen die vielfältigen Lokale, die über die Jahre  gekommen sind.“ Der Bezirk  habe auch eine  gute Infrastruktur und „alle Vorteile vom 7. und 8. Bezirk, nur günstiger“. 

Obwohl sich der 6. Bezirk mit hippen Brunch-Spots und Pop-up-Stores  an die jüngere Generation anpasst,  merkt ÖVP-Bezirksobmann Gerhard Hammerer an, nicht auf die Älteren zu vergessen: „Deswegen setzen wir uns für eine zweite Aufzuganlage bei der Corneliusstiege ein.“ Das würde auch Menschen mit Gehbehinderungen und Familien mit Kinderwägen helfen. Denn Mariahilf weist eine steile Topografie auf und besitzt sechs große Steinstiegen. 

Die vielen Stufen kennt Slavko P. nur zu gut. Er wohnt schon seit elf Jahren im Bezirk, wegziehen wolle er nie: „Verglichen mit anderen Bezirken hat Mariahilf so viel zu bieten.“ Ob Apollo Kino, Haus des Meeres oder Theater an der Wien – für Mariahilfer wie Slavko alles in Geh-Distanz. „Es ist erstaunlich, wie viel es an hochwertigem Angebot auf so kleinem Raum gibt.“ Am meisten schätzt er die „coolen kleinen Shops“, wie das „Antiquariat Bücher Ernst“ oder das „COMIC Treff“.

Für den FPÖ-Klubobmann Lukas Korp tragen  kleine Betriebe und die lebendige Lokalszene „wesentlich zur Identität des Bezirks bei und müssen unbedingt erhalten bleiben.“ Der Partei sei es wichtig, die lokale Wirtschaft zu stärken: „Das wollen wir durch Zwischennutzung leer stehender Geschäftslokale und Förderung regionaler Betriebe sowie Veranstaltungen erreichen.“ 

Mehr Begrünung

Laut Anrainern sollte auch mehr Bepflanzung gefördert werden. Susanne Skriboth fällt das  bei ihrer Arbeit als Schulärztin im Amerlinggymnasium auf: „Wir brauchen mehr Grünflächen, wo  Kinder Zeit verbringen können.“ Generell sei mehr Grün wichtig, denn „im Sommer trägt so viel Beton  zum Hitzegefühl bei.“ Das sieht auch Klubvorsitzende der Neos Elisabeth Kattinger so: „Wir wollen uns unter anderem auf Begrünung, ausreichend Sitzgelegenheiten und artgerechte Hundezonen fokussieren.“ 

Die 40-jährige Nicole arbeitet in einer Trafik in der Hofmühlgasse. Sie vermisst besonders an sonnigen Tagen grüne Bäume und bunte Blumen. Sie mag Mariahilf gerne, findet aber „die Parkplatzsituation furchtbar.“ 

Dem schließen sich die ÖVP und FPÖ an, der Grüne Bezirksvorsteher Stellvertreter Paul Stein sieht das anders: „Wir pochen auf mehr autofreie Schulvorplätze.“ Parkplätze gibt es auch vor dem Café Jelinek wenige. Das scheint die Gäste aber nicht zu stören, sie gehen am Abend zu Fuß durch die kleinen Gassen von Mariahilf nach Hause.

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