Chronik | Wien
29.07.2018

Treffpunkt Wien: Magische Orte und Zauberspiele

Schauspielerin und Raimundspiele-Intendantin Andrea Eckert über den Volksgarten und den „Verschwender“

Bis vor drei Jahren wusste Andrea Eckert nicht viel über Ferdinand Raimund – abgesehen davon, dass er ein wichtiger Vertreter des Alt-Wiener Volkstheaters war. Selbst als sie einmal, vor vielen Jahren, die Hoffnung aus seinem Zauberstück „Der Diamant des Geisterkönigs“ spielte, hat sich Eckert nur mäßig für das Stück interessiert, nichts über sein Leben gewusst.

Das ist nun anders. Seit drei Jahren ist die Schauspielerin, Sängerin und Dokumentarfilmerin auch Intendantin der Raimundspiele in Gutenstein. Heute weiß sie von Raimunds hochdramatischem Leben, seinem frühen Tod in Gutenstein (Er hat sich aus Angst, sich mit Tollwut angesteckt zu haben, im Alter von 46 Jahren erschossen, Anm.), seinem begnadeten Schauspiel.

„Wenn er den Valentin aus ,Der Verschwender’ gespielt hat – den wir heuer aufführen – sind die Leute um die Häuserblocks für Karten angestanden.“

„Wenn er den Valentin aus ,Der Verschwender’ gespielt hat – den wir heuer aufführen – sind die Leute um die Häuserblocks für Karten angestanden.“

Einsamkeit und Natur

Trotzdem war Ferdinand Raimund ein tief unglücklicher Mensch. „Je mehr das Publikum klatschte, desto mehr suchte er die Einsamkeit“, erzählt Andrea Eckert. Die Einsamkeit und vor allem die Natur hat er dann in Gutenstein gefunden. Und auch Andrea Eckert genießt die Natur, wenn sie in Gutenstein ist, überlegt oft, ob sie auf Pfaden wandelt, die auch Raimund gegangen ist.

Sie sei beides, ein Natur- und ein Stadtmensch, deshalb sei sie in Wien so gerne im Volksgarten, weil er beides verbinde. „Wenn vor dem Theseustempel die Rosen blühen, wird der Park zu einem in seiner Schönheit magischen Ort“, meint sie.

 

„Und dieses Lokal hier“, sie zeigt auf die Meierei, in der sie sich zum nachmittäglichen Obi g’spritzt eingefunden hat, „ist in seiner Anmutung aus der Zeit gefallen: das Speisenangebot, das Obi g'spritzt, das zuweilen strenge Service, hier macht der Zeitgeist Pause und das hat Charme für mich.“

Sie lässt den Blick schweifen. Ursprünglich wurde das achteckige Gebäude als Wasserspeicher errichtet. 1924 wurde es dann zur Milchtrinkhalle, und seit 41 Jahren bewirten Hannelore und Eugen Schäfferin die Besucher.

Der gute Geist

Aber zurück zum Stück. Im „Verschwender“ hat Andrea Eckert die Rolle des Azurs übernommen, des guten Geistes, der in Gestalt eines Bettlers auftritt. Warum diese Rolle?„Der Bettler ist eine kleine, aber wichtige Rolle. Sie lässt mir Raum für andere Pflichten als Prinzipalin – etwa die der Gastgeberin.“

Der gute Geist, den sie auf der Bühne darstellt, sieht die 59-Jährige selbst im Theater. „Ich empfinde es als unbestechliches Wesen; wenn man sich ihm bedingungslos hingibt, wird es einen nie verstoßen. Als junger Mensch war es existenziell wichtig für mich, in Kontakt zu treten, vom Publikum bestätigt zu bekommen, dass es mich gibt. Und es ist auch heute noch wesentlich.“

Ende August wird sie dann noch einen Dokumentarfilm drehen. Anlässlich des Gedenkjahrs 1938 will sie drei Zeitzeugen befragen. „Es ist mir wichtig, dass diese Menschen noch einmal zu Wort kommen“, sagt sie.

Zum Dokumentarfilmen kam Eckert übrigens auch über eine besondere Begegnung: „Ich traf auf der Straße eine Frau. Sie hat Saxofon gespielt, ihr Mann hat das Köfferchen getragen. Sie waren ehemalige Zirkusakrobaten, zauberhaft und würdevoll. Ich habe meinem Freund von dem Wunsch erzählt, einen Film über diese Fee zu machen – denn das war Lucy Westerguard unbedingt – und er hat gesagt: ,Mach es.’ Manchmal braucht es einfach nur Zuspruch“, sagt Andrea Eckert. „Personen, die Türen öffnen. Durchgehen muss man selbst.“

Seitdem hat sie sieben Dokumentarfilme gedreht. Für den jüngsten, über Schriftsteller Frederic Morton, ist sie 2010 mit einer ROMY ausgezeichnet worden.

Café Meierei


Das Angebot: Eierspeise  (7,50 €), Eiskaffee (5,90 €), Einspänner (5,10 €) oder auch Emmentaler-Butterbrot (5,20 €).
Das Lokal: Mitten im Volksgarten. Von April bis Ende September von  9  bis 21 Uhr geöffnet.  Kein Ruhetag  – außer es schüttet.
Geschichte: Ursprünglich diente der Pavillon als Wasserspeicher, 1924 wurde das Gebäude in eine Milchtrinkhalle umgewandelt. Seit 41 Jahren verköstigt Familie Schäfferin hier die Gäste.

Andrea Eckert

Theater: Bis 5. August finden in  Gutenstein die 25. Raimundspiele statt. Zu sehen ist „Der Verschwender“. Info: www.raimundspiele.at
TV: Ende August steht Andrea Eckert für die 4. Staffel „Vorstadtweiber“ vor der Kamera. Zu sehen sind die zehn neuen Folgen 2019 im ORF.