Mafia-Prozess in Wien: "Ich mach’ alles für dich, jeden Raub"
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen fand der Prozess gegen einen Montenegriner am Freitag im Landesgericht für Strafsachen statt. Nach Passieren der Sicherheitsschleuse am Eingang wurden alle Personen vor dem Verhandlungssaal erneut von Beamten des Bundeskriminalamts durchleuchtet.
Der Gerichtssaal wurde 20 Minuten vor Prozessbeginn mit Hilfe eines Spürhunds auf explosive Gegenstände untersucht. Derart strenge Sicherheitsvorkehrungen sind selten und erinnern an den Mafia-Prozess gegen Drogenbaron „Dexter“.
Auch bei dieser Verhandlung bewege man sich „in tief mafiösem Milieu“, begann der Staatsanwalt. Sechs Justizwachebeamte führten den kahlköpfigen, groß gewachsenen Angeklagten in den Saal.
Aufpasserdienste für gefürchteten Clan?
Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, Aufpasserdienste bei einer brutalen Entführung geleistet zu haben. Opfer dieser Entführung war ein Kroate, der am 14. März 2020 von Mitgliedern des gefürchteten montenegrinischen Kavač-Clans nach Wien gelockt wurde. Es ging dabei um ein angebliches Geschäft und viel Geld.
Handsägen lagen bereit
Das spätere Opfer (41) wurde gemeinsam mit einem zweiten Mann in eine Airbnb-Wohnung am Rudolfsplatz im ersten Bezirk gelotst. Dort angekommen, wurden er und sein Begleiter gefesselt und gefoltert. Die Wohnung war mit schwarzer Nylonfolie ausgekleidet, die Männer hatten zuvor Handsägen und Pistolen besorgt. „Es gibt Fotos, die zeigen, wie die beiden Opfer wie Mumien am Boden liegen“, sagte der Staatsanwalt.
Über abhörsichere Handys tauschten sich die Täter mit anderen Männern aus und schickten denen Nachrichten der Gräueltaten. „Wir haben Blut gemacht, der Alte ist kaputt. Einem habe ich die Nase gebrochen“, zitierte der Staatsanwalt.
Als klar wurde, dass die beiden Opfer kein Geld bei sich hatten, habe es kurz den Plan gegeben, „zwei Löcher zu graben und die beiden zu töten“, so der Ankläger weiter. Diese Idee aber wurde verworfen, nachdem die Opfer den Tätern zusicherten, ihnen 750.000 Euro zu zahlen. In Zagreb kam es dann zur Übergabe von 100.000 Euro.
"Raub ist wie Glas Wasser trinken"
Beteiligt waren insgesamt sieben Personen, zwei davon sind bereits verurteilt. Inszeniert wurde die erpresserische Entführung, um den Geschäftspartner des 41-Jährigen zur Zahlung eines hohen Geldbetrags zu bringen.
Geld sei auch für den Angeklagten das Hauptmotiv gewesen.
„Für Geld macht er alles. Er ist spielsüchtig. Er hat einem anderen Mann geschrieben: ,Ich mach’ alles für dich mein Freund, jeden Raub.‘“ Für den 57-Jährigen sei Raub ähnlich alltäglich, wie ein Glas Wasser zu trinken.
Für die Anklagebehörde ist klar, dass er Beitragstäter war. Er sei vom Kavač-Clan dazu auserkoren worden, in einem Park vor dem Appartement Aufpasserdienste zu leisten. „Wir gehen davon aus, dass er in den Plan eingeweiht war“, sagte der Staatsanwalt. Neben Chats konnte die Polizei auch ein Foto sicherstellen, das den Angeklagten gemeinsam mit den anderen an der Straftat beteiligten Männern beim Spanferkel-Essen zeigte.
„Identitätsdiebstahl“
Er war nicht geständig. „Ich weiß nicht, warum ich hier bin“, sagte der Montenegriner. Sein Verteidiger betonte, es liege ein Fall von „Identitätsdiebstahl“ vor. Der 57-Jährige saß bereits in Frankreich und in Belgien im Gefängnis. Kommenden Freitag wird die Verhandlung fortgesetzt.
Kommentare