Maccabi Games starten in Wien

Zeremonienmeisterin:<br />
Elisabetta Hartl schickt 4000 Gäste – darunter auch Bundespräsident Heinz Fischer und Israels<br />
Parlamentspräsidentin Reuven Rivlin – auf eine Zeitreise durch das jüdische Wien
Foto: KURIER- Gruber

Erstmals seit 1945 finden jüdische Sportspiele auf deutschsprachigem Boden statt. 100 Bewerbe werden ausgetragen.

Eishockey-Profi Rafael Rotter soll die Flamme gegen 21 Uhr entzünden; Bundespräsident Heinz Fischer soll die Ansprache vor 4000 Gästen und 2000 Athleten aus aller Welt halten. Die European Maccabi Games, das jüdische Pendant zu Olympia, sollten am Mittwoch-Abend auf dem Wiener Rathausplatz eröffnet werden. Aber Elisabetta Hartl konnte das alles kaum genießen, während andere reden und anzünden, muss sie "herumwurln und darauf achten, dass alles passt".

Hartl ist die Zeremonienmeisterin des Abends. "Es ist ein historischer Tag für Wien", ist sie überzeugt. In der Tat haben die bevorstehenden Tage historischen Charakter. Erstmals seit dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft finden die jüdischen Spiele auf deutschsprachigem Boden statt. Also in einem jener Länder, das für die Ermordung von 6,3 Millionen Juden verantwortlich ist.

Zeichen des Aufbruchs

Oskar Deutsch, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde und Organisator der Spiele im KURIER-Gespräch: "Das ist das erste Mal nach dem Krieg, dass so viele Juden nach Wien kommen, ohne dass sie nur recherchieren wollen, was mit ihren Großeltern passiert ist" (siehe auch Interview im Hintergrund). Ein anderer, der sich für die Spiele in Wien stark gemacht hat, ist Michael Häupl (SPÖ). Für Wiens Bürgermeister sind diese Spiele deshalb von großer Bedeutung, "weil Sport immer ein Zeichen des Friedens ist und wir damit einen wichtigen Schritt in eine gemeinsame, friedvolle Zukunft tun".

Hartl sieht das ähnlich. Sie erzählt vom künstlerischen Konzept des Abends - davon, wie knapp 200 Künstler 4000 Besucher auf eine Zeitreise schicken sollten. Eine Reise, die das Leben der jüdischen Gemeinde in Wien nachzeichnet. Es ist eine Geschichte, die von Unterdrückung, aber auch von Aufbruch berichtet. "Es geht um die Shoah ebenso wie um das allmählich wieder erblühende jüdische Leben in der Stadt", sagt Hartl, die 2003 selbst an den Spielen teilnahm. "Denn dass die Makkabiade in Wien stattfindet, beweist, dass sich viel zum Positiven verändert hat."

Zwei Jahre haben sich die Veranstalter auf das jüdische Sportfest vorbereitet. Das Event zählt mit 2000 Teilnehmern zu den fünf größten Sportereignissen weltweit. Zum Vergleich: Zu den Winterspielen in Vancouver 2010 kamen 2500 Athleten.

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(kurier) Erstellt am
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