Meixner in Wien-Favoriten: Wie das Gasthaus Grammelknödel huldigt

Janette und Alexander Civic stehen in ihrem Gasthaus Meixner.
Vor drei Jahren übernahmen die Civics Meixners legendäre Gastwirtschaft in Favoriten. Die Klassiker blieben.

So kann es gehen, wenn man in jungen Jahren bereits mit gutem Essen vertraut gemacht wird. „Mein erstes Beef Tatar hab’ ich hier gegessen“, sagt Alexander Civic. „Da war ich 15.“ Jetzt sitzt er wieder hier, an einem weiß gedeckten Tisch vor dunklen holzgetäfelten Wänden; die rustikalen Wandluster tauchen die Stube in warmes gelbes Licht. Aber er ist kein adoleszenter Gast mehr, der – wie es familiärer Brauch war – an seinem Geburtstag in „Meixners Gastwirtschaft“ im zehnten Wiener Hieb eingeladen wurde. Seit Dezember 2022 ist er, zusammen mit seiner Ehefrau Janette, Gastgeber.

Die beiden sind in der Gegend aufgewachsen: Favoriten und Simmering, schillernde Bezirke in jeder Hinsicht. Aber wer ihnen mit Vergleichen kommt, es gehe ein bisschen so zu wie in der New Yorker Bronx der 1970er- und 80er-Jahre, der möge einmal mit ihnen reden und nicht immer alles schon vom Hörensagen glauben. 

"Nicht gefährlicher als anderswo"

„Ich finde es bei uns nicht gefährlicher als anderswo, und in meinem ganzen erwachsenen Leben bin ich immer auch spät abends seelenruhig nach Hause gegangen.“ Nur einmal habe eine Firma, erzählt Alexander, eine bereits gebuchte Betriebsfeier abgesagt, weil ein paar Mitarbeiter nicht nachts vom Reumannplatz wieder heimfahren wollten. 

Synchrones Achselzucken. Draußen im Schankraum füllen sich die Mittagstische.

Janette und Alexander Civic haben in ihrem noch recht jungen Leben schon sehr viel Gastroluft geatmet. Schicke Laufstege pflastern ihren beruflichen Weg. Nicht selten rochen sie auch ein wenig, oder ein wenig zu viel, parfümiert.

Janette arbeitete im „fabio’s“, in der „Cantinetta Antinori“, im „Procacci“, bei Juan Amador und im „Le Loft“. Alexander war lange Zeit ebenfalls im „fabio’s“ und im „Eisvogel“ im Prater.

Und dann Favoriten? 

Warum nicht, dachten sie. Der Meixner ist schließlich eine Wiener Institution in einem Bezirk, der früher als kulinarische Wüste galt. Und auf einmal war diese Oase zu haben. Berta und Karl Meixner suchten 2022, kreuzfidel, aber mit Lust auf ein Leben nach der Arbeit, Nachfolger. Man kam ins Gespräch. „Anfangs eher schmähhalber“, sagt Janette. „Große Fußstapfen“, sagt Alexander.

Kurzer Zwischengang. Karl Meixner sitzt in Triest und trinkt Espresso. Dorthin, an den nördlichsten Zipfel der Adria, hat es ihn gemeinsam mit seiner Frau Berta in der Pension gezogen. Er mag den italienischen Lebensstil, die Mentalität, den Fisch, den Wein, das Land. „Zweite Kassa! Das wirst in Triest nie hören“, sagt er schmunzelnd.

Hausmannskost

Er erzählt, wie alles angefangen hat. 1967 übernahmen die Eltern das Gasthaus der Tante in der Nähe des Reumannplatzes. Und damit man sich eine Vorstellung von den Zeiten machen kann, sagt Karl Meixner: „Damals haben sie das Amalienbad gleich neben uns noch mit Steinkohle geheizt.“ Die Schaufler schaufelten beim Meixner ihr Mittagessen, rustikale Hausmannskost. 1981 empfahlen Karl und Berta den Eltern, doch fortan ein schönes Leben zu genießen. Sie ging in die Küche, er in den Weinkeller und hinter die Schank. Gourmetreisen mit den Gasthauspionieren Martin Grünauer und Pepi Sodoma und deren Familien heizten den Ehrgeiz an.

Die ersten Connaisseure einer kulinarisch erwachenden Stadt übten sich in Mundpropaganda, nachdem sie Bertas Kutteln mit Paradeisern, die gebackenen Grammelknödel oder den Zwiebelrostbraten genossen hatten. „Dabei hat die Berta immer gesagt, sie würde nie im Leben einen Wirt heiraten.“ Kurze Pause. „Pech g’habt.“

Fünf Grammelknödel schön angerichtet.

Das Rezept für die Grammelknödel stammt von Berta Meixner.

Zurück nach Favoriten. Janette und Alexander Civic wissen nur zu gut, welchen Ruf der Name Meixner immer noch hat. Sie haben sich darauf verständigt, den Namen des Hauses beizubehalten, einige der gepriesenen Gerichte aus Berta Meixners Küche gibt es heute noch. Und auch ein paar Mitarbeiter von der alten Garde. Martina Pivonka war in der Ära Meixner eine Hilfskraft in der Küche, heute leitet sie diese zusammen mit Alexander Civic.

Die Küchenchefin Martina Pivonka richtet das Essen an.

Feinschliff vor dem Service:  Küchenchefin Martina Pivonka.

„Neue Gerichte“, sagt er, „entstehen im Team.“ Manchmal ist es auch nur „ein wenig Feinschliff“ für das, was es früher auch gab. Die Eierschwammerl à la creme kommen heute mit Liebstöckelrahm zu Tisch, die Kalbsleber mit einer Apfel-Zwiebel-Sauce, und statt gediegener Semmelknödel formt Frau Pivonka gern auch einmal kleinere Briocheknödel

Auch auf dem sogenannten Pass – der Anrichte für Speisen, die die Küche verlassen mit einer ähnlichen Funktion wie ein Spiegel, in den man einen letzten Blick vor dem abendlichen Feinausgehen wirft – dauert es jetzt etwas länger. „Das Auge isst schließlich mit“, sagt Janette Civic knapp.

Und Alexander ergänzt: „Gut essen kostet heute ordentlich Geld. Da muss alles passen, weil es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, dass ein Gast wiederkommt.“

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