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Chronik Wien
02/15/2012

Lipizzaner sollen zur Cashcow werden

Eigenes Wasser und Solarien für die weißen Rösser. Elisabeth Gürtler kontert, im fünften Jahr als Chefin, ihren Kritikern.

von Dominik Schreiber

Jedes Pferd bei uns bekommt ein eigenes Ernährungsprogramm“, erklärt die seit 2007 tätige Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler und zeigt auf die Taferln vor der Box. „1x Müsli“ oder „1x Hafer, 1/2x Müsli“ ist da zu lesen. Manchmal stehen auch feine Karotten auf dem Menüplan. Es gibt drei Solarien nur für die edlen Rösser. Sie schlürfen kein Leitungswasser, sondern energetisiertes Wasser.

Rundgang

Nicht nur den Tieren in der Hofreitschule geht es gut, auch den Finanzen. „2011 waren wir ausgeglichen, 2012 werden wir erstmals ein kleines Plus haben, wenn nichts passiert“, sagt Gürtler bei einem Rundgang mit dem KURIER durch die Hofreitschule. Dafür kann man auch alles mieten, was das Herz begehrt, sogar Galadiners mit den Pferden sind möglich. „Da haben wir Karotten als Nachspeise, die gerne verfüttert werden.“ Erlaubt ist, was Geld einbringt.

Dass ist die schöne Welt der Elisabeth Gürtler. Doch es gibt auch die andere Seite, die Kritik an der Qualität der Hofreitschule ist in den vergangenen Monaten massiver geworden. Sogar im Ausland wird dies längst beachtet. „Die Krise der Pferde“, titelte kürzlich die angesehene deutsche Zeit und schrieb: „Quantität statt Qualität ist angesagt, Expansion statt Tradition, Werbung statt Würde, Zirkus statt Kunst.“

Vor allem der Stress durch mehr Aufführungen wird oft als Kritikpunkt genannt. „Erst gestern war die angesehene Uni Hannover da und hat unsere Pferde angeschaut. Die haben sogar gesagt, sie haben zu wenig Bewegung“, kontert Gürtler. „Über Jahrhunderte ist alles gleich geblieben in der Hofreitschule. Die Oberbereiter sind gekommen und gegangen, wann sie wollten.“ Sie habe Stechuhren eingeführt und deren Gehalt von 170.000 auf 130.000 Euro im Jahr gekürzt. Dass dies nicht überall gut ankomme, sei klar.

Dass Videos im Internet kursieren, wo haarsträubende Fehler zu sehen sind, erklärt sie so: „Das ist wie bei einem Foto, Sie können von jemandem nur gute oder Meuchelfotos zeigen.“ In einem Fall sei ein Deckhengst in Piber inmitten von Stuten aufgetreten und habe seinen Auftritt geschmissen. Selbst für Bereiter Herwig Radnetter keine optimale Konstellation: „ Aber Fehler passieren. In Summe ist die Qualität besser als vor 40 Jahren, wenn wir uns heute Videos von damals anschauen.“ Außerdem dürfen sogar erstmals Frauen vor Publikum auftreten, wie etwa am gestrigen Mittwoch bei der Morgenarbeit.

Schlimmste Befürchtungen, dass die Lipizzaner mangels Nachwuchs sogar aussterben könnten, wie Kritiker zuletzt meinten, zerstreut Gürtler. „Wir haben immer eine bestimmte Fohlenzahl für drei Jahre. Gab es einmal viele Fohlen, dann haben wir in einem anderen Jahr kaum Platz.“ Dies sei der Grund, warum es im Vorjahr mit 31 die geringste Fohlenzahl aller Zeiten gab.

Glück

Bei uns heißt es, dass es die Hofreitschule so lange geben wird, solange es ein braunes Pferd unter den weißen gibt, denn die bringen Glück“, sagt Gürtler. „Derzeit haben wir zwei davon.“

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