© Gilbert Novy

Chronik Wien
05/28/2019

Life Ball könnte doch am Leben bleiben

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) will das Event weiterführen. Dessen Marke ist allerdings geschützt

von Julia Schrenk, Christoph Schwarz, Kid Möchel

Zuerst der tränenreiche Abschied, dann der hässliche  Streit ums Geld – und schließlich der Plan, beim letzten Life Ball den Bürgermeister auszubuhen.
Und jetzt soll der Life Ball doch weitergeführt werden – oder zumindest die Idee dahinter. Das bestätigte das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), nachdem dieser am Dienstag eine entsprechende Frage von Neos-Mandatar Markus Ornig in der Fragestunde des Gemeinderats beantwortet hatte.

„Natürlich“ habe der Bürgermeister ein Interesse daran, „die Idee des Balls weiterzuführen“, ließ man den KURIER wissen. Schließlich gehe es darum, Geld zu lukrieren, um auf HIV aufmerksam zu machen. Man werde „schauen, was  möglich ist“.

Dass sich der Bürgermeister nun doch um die Weiterführung des Events bemühen will, ist insofern erstaunlich, als die Stimmung zwischen Stadt und  Life-Ball-Organisator Gery  Keszler zuletzt  ja nicht gerade prickelnd gewesen sein dürfte: Keszler gab der Stadt die Schuld am Aus des Life Ball (siehe Ende des Textes).

Wie berichtet, bat der Vorstand zusätzlich zu den 900.000 Euro, mit denen die Stadt den Life Ball jährlich fördert,  um eine Ausfallgarantie in der Höhe von rund 300.000 Euro. Zusätzlich sollten  mindestens weitere 500.000  Euro an Steuergeld zugeschossen  werden. Oder zumindest sollte bei der Suche nach Sponsoren geholfen werden. Die Stadt erteilte eine Absage, das Ende der Geschichte ist bekannt.

Streit ums Geld

Wie berichtet, bat der Vorstand zusätzlich zu den 900.000 Euro, mit denen die Stadt den Life Ball jährlich fördert,  um eine Ausfallgarantie in der Höhe von rund 300.000 Euro.  Zusätzlich sollten  mindestens weitere 500.000  Euro an Steuergeld zugeschossen  werden. Oder zumindest sollte bei der Suche nach Sponsoren geholfen werden. Die Stadt erteilte eine Absage, das Ende der Geschichte ist bekannt.

Wie genau das Event nun doch weiterleben soll, ist noch offen. Aus dem Bürgermeisterbüro heißt es, der Life Ball könne auch „in „anderer Art und Weise“  weitergeführt werden.  Die Stadt wird jedenfalls nicht selbst Veranstalterin sein, so viel steht fest. Möglich ist etwa ein Event ähnlich dem Wiener Ball der Wissenschaften.

Auch dieser ist der Stadt – als Gegenstück zum von der FPÖ veranstalteten Akademikerball – wichtig. Sie  fördert daher den Verein, der den Ball organisiert.   Am Fortbestehen des Life Ball könne  Keszler  als „Mastermind“  mitarbeiten, heißt es vom Bürgermeister.
Ludwig greift damit eine Idee auf, die schon vor dem (vorläufigen) Aus des Balls kursierte: Die Stadt habe Keszler bereits vor Monaten angeboten, den Ball in „anderer Form gemeinsam weiterzuführen“, heißt es aus  Rathauskreisen.

Patent bis 2027

Der damalige Plan: Keszler solle als „spiritus rector“, also als Gesicht und Kopf der Veranstaltung, als Ballvater,  erhalten bleiben. Die Organisation sollte aber in „professionellere Hände“ gelegt werden. Damals – also vor dem Eklat im Mai – war offenbar keine Einigung möglich.

Ohne Gery Keszler wird es schwierig, den Life Ball fortzuführen. Auch aus rein rechtlichen Gründen.  Die Marke Life Ball ist nicht nur untrennbar mit  Keszler verbunden – sie gehört ihm auch. Oder konkreter: Die Marke gehört dem Verein LIFE+, der den Life Ball veranstaltet, und bei dem Keszler Obmann ist. Die Wort-Bild-Marke ist beim Patentamt eingetragen und bis ins Jahr 2027 geschützt.

Beim Verein LIFE+ gab man sich am Dienstag wortkarg. Dass sich Ludwig um die Weiterführung des Balls bemühen will, habe man aus den Medien erfahren. „Wir haben seit dem Life-Ball-Aus keine Gespräche mit der Stadt geführt und konzentrieren uns auf den 8. Juni.“ Ob Ludwig da nun ausgebuht wird, bleibt also offen.  

Was bisher geschah

Das (vorläufige) Ende
Mitte Mai verkündete Organisator Gery Keszler das Aus für den Life Ball. Er soll dieses Jahr  – siehe oben –  das letzte Mal stattfinden. Wenig später meldeten sich Stadt Wien und Sponsoren zu Wort: Die Zusammenarbeit sei vor allem am Geld gescheitert. Die Stadt hätte zusätzliche Mittel von bis zu einer Million Euro zuschießen müssen.

Der Life Ball
Der Ball ging in Wien seit 1993 jährlich (mit einer Pause  2016) im Rathaus über die Bühne. Er ist die größte europäische Benefiz-Veranstaltung  zugunsten  HIV-infizierter und aidskranker Menschen.

Der (vorerst) letzte Life Ball: Vereint in Vielfalt unter „Freaks“

Nächsten Samstag, am 8. Juni , findet der 26. und vorerst letzte Life Ball im Wiener Rathaus statt.

Unter dem Motto  „United in Diversity – Vereint in Vielfalt“ begibt sich der Life Ball  laut Website auf „eine Reise über den Regenbogen und landet mit einer umherziehenden Zirkustruppe in einer fantastischen Welt der Farben“.  Auf dem Weg dorthin fänden sich skurrile Figuren zusammen, die alle „auf ihre Art Freaks“ seien.

An Stars und Sternchen haben sich angemeldet: Schauspieler und Regisseur  Alan Cumming, die Sängerinnen Kelly Osbourne und Beth Ditto, Burlesque-Star Dita van Teese sowie die Schauspielerinnen Katie Holmes und Lindsay Lohan.

In den 26 Jahren seines Bestehens wurden über den Life Ball knapp 30 Millionen Euro an Spenden für die Aids-Hilfe gesammelt.  

Info: Tickets für die Life-Ball-Party und  die After Hour gibt es noch:  www.lifeplus.org

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