Provokateur und Hofnarr: Der Werdegang des Leo Lugner

NR-WAHL: PRÄSENTATION "PERSONENKOMITEE FÜR FPÖ-NATIONALRATSKANDIDAT LEO LUGNER": LUGNER
Opernball und Einkaufszentrum, „ZiB 2“ und Social Media: Leo Lugner hat sich in der Wiener FPÖ mit radikalen Sagern und umstrittenen Aktionen nach oben gearbeitet – und sich auch privat einen Namen gemacht.

Am Donnerstag ist es wieder so weit: Leo Lugner legt seinen Frack an – und wird für wenige Stunden Teil jener „Oberen 10.000“, gegen die seine Partei, die FPÖ, so gerne wettert. Am Opernball wird der blaue Gemeinderat an der Seite seiner Ehefrau Jacqueline Lugner die US-Schauspielerin und „Nanny“-Darstellerin Fran Drescher zu Gast haben – Medienrummel garantiert.

Aber auch all jenen, die nicht der Lust an der (High?) Society frönen, ist der 39-Jährige mittlerweile ein Begriff. Vergangene Woche schickte ihn die FPÖ sogar als Vertreter in die „ZiB 2“; diese Ehre wird nicht jedem Landespolitiker zuteil.

Lugner durfte zur Debatte über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche sprechen und lieferte wie gewünscht ab, indem er der Bundesregierung die „Zensur von alternativen Medien“ und DDR-Methoden vorwarf. (Klar, für die FPÖ, die ihre Anhängerschaft vorwiegend über Social-Media-Kanäle erreicht, ist das Thema ein heikles.)

Wer aber ist Leo Lugner, der die sinnbildliche Ochsentour auf sich nahm, um sich in der FPÖ hochzuarbeiten?

Vier elegant gekleidete Personen posieren in festlicher Umgebung, zwei Frauen in Abendkleidern, zwei Männer im Frack.

Opernball 2025: Das erste Mal treten die Lugners ohne Familienoberhaupt Richard auf – aber mit Gast Alec Monopoly.

Von Kohlbauer zu Lugner

Seine ersten politischen Gehversuche machte Lugner noch unter seinem Geburtsnamen: Leo Kohlbauer. Im Jahr 2024 heiratete er in die Familie des einflussreichsten und umstrittensten Baumeisters der Stadt ein – nein, gemeint ist diesmal nicht Walter Ruck, sondern (der im gleichen Jahr verstorbene) Richard Lugner.

Der FPÖ-Mann nahm den Nachnamen seiner Frau an – weniger aus profeministischer Motivation, sondern weil ihm jede Form der Publicity Recht ist. Und in kaum einer Familie lässt sich die Sucht nach Aufmerksamkeit so gut befriedigen wie in jener, in der er Aufnahme fand. Er sei nun „Teil eines Familienunternehmens“, erzählte Lugner damals auch freimütig in einem Interview mit dem profil, und da gehöre der Name eben dazu.

Das Konzept Lugners geht schon lange auf: Er setzt auf Provokation. Dass ihm Medien, die Lugner selbst abwertend als „links“ bezeichnen würde, gerne ein „knallrechtes“ Weltbild attestieren, liegt nahe. Ganz richtig ist es nicht. Das sagen auch jene, die politisch mit ihm zu tun haben.

Alte Anekdoten und neue Aufreger

Lugner, der politisch im 6. Bezirk unter dem nunmehrigen EU-Abgeordneten Harald Vilimsky groß wurde, ist kein verbohrter Ideologe. Ihm geht es um den Wirbel, nicht vorrangig um Werte. In der Wiener FPÖ übernimmt er gerne jene Themen, mit denen man aufregen kann. 

Damit dem Boulevard mit den alten Anekdoten (in denen er Regenbogenfahnen in Mistkübel wirft, illegal rauchend in Lokalen posiert oder angesichts einer migrantischen Kandidatin die „Miss Vienna“- in „Miss Antalya“-Wahl umbenennt) nicht fad wird, legt Lugner immer wieder mit neuen Aufregern nach. Dass er dabei „immer radikaler und skrupelloser“ werde, attestiert ihm so mancher in der Stadtpolitik. „Wenn sich Lugner im Gemeinderat zu Wort meldet, ist die Eskalation nicht weit.“ Nachsatz: „Alles ein Teil des Spiels.“ Im persönlichen Gespräch sei er nämlich höchst umgänglich.

Die Unterstützung der Schwiegerfamilie hat er bei alldem. Schon Richard Lugner, der sich selbst erfolglos als Teilzeit-Politiker versuchte, soll von ihm begeistert gewesen sein. Ein bisschen passt das ins Bild: Die Rolle des Hofnarren, dem keiner böse sein kann, stand bzw. steht beiden gut. Die Schwiegermutter, Christine „Mausi“ Lugner, führte gar das Personenkomitee an, das ihn bei der Nationalratswahl 2024 mittels Vorzugsstimmen von einem aussichtslosen Listenplatz aus ins Parlament katapultieren sollte. Erneut nutzte er die Bekanntheit der Familie: „Gemma Lugner wählen“ lautete – in Anlehnung an das geflügelte Wort „Gemma Lugner“ – sein damaliges Motto. Das Vorhaben scheiterte. Dafür schaffte er es 2025 in den Gemeinderat.

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Nationalratswahl 2024: Leo Lugner kann sich auch politisch der Unterstützung der Schwiegerfamilie sicher sein.

Stammt aus SPÖ-nahen Umfeld

Dass sich Lugners Politik gerne gegen jene Migranten richtet, die die Geschäftsgrundlage der familieneigenen Lugner-City im 15. Bezirk bilden? Macht nichts. Dass sein Weltbild nicht konsistent ist, stört Lugner wenig. Zur Not greift die in rechten Parteien gängige Unterscheidung zwischen „guten, fleißigen“ Migranten auf der einen Seite – und Islamisten und Messerstechern auf der anderen Seite. Dass die Kundschaft der Lugner-City sich aus der ersten Gruppe speist, davon ist auszugehen.

Lugner selbst stammt aus einem SPÖ-nahen familiären Umfeld. Vater Martin Kohlbauer gestaltete als Architekt Bauten zur Erinnerung an den Holocaust, die Mutter studierte Judaistik. Lugner thematisiert seine Abwendung von den „Linken“ offen: Seine Zeit in einer „linken Montessori-Schule“ habe sein „Bestreben, rechts zu sein, massiv geprägt“, erzählt er dem profil. Man habe versuchte, ihn politisch zu instrumentalisieren. Dagegen habe er aufbegehrt.

Seine Berufslaufbahn begann im Textilhandel – bei bekannten Häusern wie Hämmerle und Don Gil. Bald engagierte sich Lugner politisch beim Ring Freiheitlicher Jugendlicher und in der Freiheitlichen Wirtschaft, und machte für die Wiener FPÖ Medienarbeit. Bis heute steht er der Partei im 6. Bezirk vor und polarisiert auch dort. Etwa vergangene Woche, als er die neue Naschmarkt-Halle als „versifften, abgeranzten Alptraum“ bezeichnete.

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