Chronik | Wien 20.12.2011

Kritische Mediziner proben den Aufstand

Die in letzter Sekunde erzielte Einigung um das AKH-Budget ist Kritikern noch zu wenig: Sie fordern generelle Änderungen.

Die Versprechen der zuständigen Institutionen, sich doch an einen Tisch zu setzen und die Probleme im AKH endlich auch zu lösen, stoßen nicht überall auf Zustimmung. Kritische Mediziner meinen, dass das Rektorat der Med.Uni-Wien ebendies bisher schuldig blieb und zum Teil sogar die Ursache der aktuellen Probleme ist.

Ein Mediziner, der anonym bleiben will, wandte sich unter dem Namen "Mars" an den KURIER: "Seit Prof. Wolfgang Schütz das Rektorat leitet, ist allein die Verwaltung von 20 Beschäftigten auf 200 angewachsen. Da wäre durchaus ein Sparpotenzial vorhanden."

Unverständlich sei auch, dass das erste Angebot von Minister Töchterle über neun Millionen Euro und einer Zweckbindung für die Ärzte von Schütz abgelehnt worden sei: "Wohin sollte der Mehraufwand fließen?"

Gemeinsam mit anderen Kritikern macht "Mars" auch auf die alten Probleme aufmerksam: Die Ärzte im AKH würden aufgrund der niedrigen Gehälter gezwungen, Ordinationen zu betreiben oder auch in Privatspitälern nebenbei zu arbeiten. Im AKH seien dagegen Kapazitäten nicht optimal ausgelastet, Geräte und OPs daher unwirtschaftlich.

Für zahlende Privatpatienten seien im AKH zu wenig Einzelbetten vorhanden. Daher würden sie im AKH nur sündteuer "saniert", dann aber in Privatkliniken verlegt, damit Ärzte die "Butter aufs Brot" verdienen. Die Politik schaue den Missständen seit Jahren zu. Auch Wiens Spitäler würden ähnlich geführt. Auch hier sei die eigene "Ordi" eine Existenzfrage für Spitalsärzte.

Weitere Vorwürfe

Als Vizerektorin fungiere eine Juristin und immer noch sei es wichtig, Seilschaften zu suchen, um Karriere machen zu können. Man müsse aus Beispielen im Ausland lernen. Dort schreiben Uni-Kliniken schwarze Zahlen.

Die Pressestelle der Med.Uni-Wien wollte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen. Betriebsrat Thomas Szekeres teilt die Kritik nur zum Teil. Er ist froh, dass sich alle – inklusive der Politik – nun an einen Tisch setzen und über das zu knapp bemessene Budget ernsthaft diskutieren.

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( Kurier ) Erstellt am 20.12.2011