Chronik | Wien
28.08.2018

Krankenhaus Nord: „Keine Hektik auf der Baustelle“

Trotz der Kostenexplosion und Verzögerungen verteidigt Architekt vor der U-Kommission seine Arbeit

Zum Gegenangriff holte am Dienstag jener Architekt aus, der rund um die Krisenbaustelle Krankenhaus Nord zuletzt selbst unter Druck geraten war: Der SPÖ-nahe Albert Wimmer, dessen Frau für die Partei kandidierte. „Ich habe mehr als genau gearbeitet“, sagte er in der gemeinderätlichen Untersuchungskommission zur Causa. Die Verzögerungen beim Bau und die höheren Kosten seien vor allem darauf zurückzuführen, dass es keinen Generalplaner gegeben habe.

Zur Erinnerung: Im Frühjahr war ein Sachverständigen-Gutachten publik geworden, das dem Architektenteam rund um Wimmer ein katastrophales Zeugnis ausgestellt hatte. Die Fachleute sollen laut dem Papier – unter anderem wegen einer verspätet abgelieferten Statik-Planung und Fehlern bei der Vermessung des Rohbaus – einen Schaden von über 30 Millionen angerichtet haben. Der Krankenanstaltenverbund ( KAV) forderte Teile der Leistungen daraufhin über die Haftpflichtversversicherung zurück und dachte laut über rechtliche Schritte nach. Die Prüfung der Versicherung sei noch nicht abgeschlossen, teilt eine KAV-Sprecherin auf KURIER-Nachfrage mit. „Etwaige weitere Schritte werden erst nach Abschluss eingeleitet.“

Wimmer wollte in der gestrigen fünften Sitzung der U-Kommission keine Versäumnisse seinerseits einräumen: Wesentliche Bereiche wie die Umsetzung der Haustechnik oder die Statik, wo Fehler passierten, seien nicht unter seiner Regie gestanden, erklärte er. Die Statik habe der KAV direkt beauftragt, die Umsetzung der Haustechnik habe die örtliche Bauleitung abgewickelt.

„Ich habe auf der Baustelle nie eine Hektik gesehen, das ist mein eigentlicher Vorwurf“, kritisierte Wimmer weiter. Er habe nicht erlebt, dass das Krankenhaus Nord unter „wahnsinnig intensivem Fertigstellungsdruck steht“. Und: Von der KAV-Generaldirektion und der damalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hätte er keine Antwort bekommen, als er sie über mangelnden Baufortschritte informiert habe.

Den Vorwurf, er habe keine Expertise im Krankenhausbau vorweisen können, wies Wimmer unter anderem mit Verweis auf die Drogenstation in Kalksburg zurück. Außerdem habe er sich durch „exzessive Recherche“ auf den Architekturwettbewerb vorbereitet.

Die Opposition sah sich durch Wimmers Aussagen in ihrer Kritik an dem Milliardenprojekt bestätigt. „Die Einvernahme offenbart das gesamte Chaos innerhalb des SPÖ-Systems und das Managementversagen des KAV“, konstatierte etwa ÖVP-Mandatarin Ingrid Korosec.

Schlechte Stimmung

Am Dienstagvormittag war mit Wolfgang Hesoun, Ex-Vorstandschef der Porr, ein weiterer prominenter Zeuge geladen gewesen. Über den Abbruch der Verhandlungen mit dem möglichen Generalunternehmer-Konsortium – bestehend aus Porr, Siemens und Vamed – seitens des KAV im Jahr 2010 sei man nicht erfreut gewesen, erklärte er. „Die Stimmung im Unternehmen war eine Zeit lang überschaubar gut“, sagte der nunmehrige Siemens-Österreich-Chef.

Die Unternehmen Porr, Siemens und Vamed hatten drei Jahre mit der Stadt und dem KAV verhandelt, um das Spital als Generalunternehmer umzusetzen. Als die Europäische Investitionsbank (EIB) der EU dem KAV ein Darlehen über 300 Millionen Euro gewährte, stoppte dieser die Gespräche und übernahm selbst die Führung – ironischerweise in der Annahme, das Spital so günstiger zu realisieren.