Kooperation im Süden: Wien schnallt den Gürtel grüner
Eines der großen Stadtentwicklungsprojekte liegt mit Rothneusiedl im Süden Wiens; dort sollen 9.000 Wohnungen für 21.000 Menschen entstehen.
Um diesen „Patienten“ kümmern sich Wien und Niederösterreich grenzübergreifend gemeinsam: Um den Grüngürtel rund um Wien, über den die Stadt zum Land wird. Aktuell geht es um den Süden von Wien.
Denn – auch – dort wächst die Stadt. In Kaiserebersdorf (Simmering) etwa entstehen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre 5.000 Wohnungen. In Rothneusiedl (Favoriten) entsteht auf 124 Hektar ein Pionierstadtteil für Klimaschutz mit Grün- und Freiräumen, Stadtlandwirtschaft und Wohnraum für 21.000 Menschen in 9.000 Wohnungen.
Kritik an Versiegelung
Stadtplaner üben immer wieder Kritik an der Entwicklung der Stadt in der Fläche. Martin Heintel, Professor am Institut für Geografie und Regionalforschung an der Uni Wien, weist in dem Zusammenhang auf Bodenverbrauch und Versiegelung hin.
Dieser Problematik will die Stadt auf mehreren Ebenen begegnen. In Rothneusiedl etwa soll ein Drittel des Bereichs klimawirksame Grün- und Freiflächen bleiben, 25 Hektar davon sogar öffentlich. Ebenso laufen Überlegungen und Planungen, den Stadtrand im Bereich Siebenhirten (Liesing) und Vösendorf (NÖ) zu einem lebenswerteren Wohnquartier zu entwickeln.
Einen Bogen spannen
Grünraum spielt bei all diesen Projekten naturgemäß eine große Rolle. Und dieser Grünraum soll auch gesichert werden, mit einem gemeinde- und länderübergreifenden Projekt an der südlichen Wiener Stadtgrenze. Zu diesem Zweck haben sich drei Wiener Bezirke und fünf Umlandgemeinden zu einer Kooperation unter dem Titel „Landschaftsbogen 5 plus 3“ zusammengeschlossen.
Der Name entstand durch die Zusammenarbeit der Bezirke Favoriten, Simmering, Liesing und der Gemeinden Schwechat, Lanzendorf, Leopoldsdorf, Hennersdorf und Vösendorf.
Grünraum möglichst erhalten
Die Zusammenarbeit hat das Ziel, die gemeinsame Landschaft als zusammenhängenden Raum zu entwickeln unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungsansprüche wie Naturraum, Freizeit und Naherholung oder landwirtschaftliche Nutzung.
„Der Erhalt von Grünraum ist Teil unseres Stadtentwicklungsplans, dem Wien-Plan und bestimmt die Planungen der Stadt Wien auch über die Grenzen der Stadt hinaus. Der Schulterschluss von Wiener Bezirken und niederösterreichischen Gemeinden ist besonders wertvoll, da der Erhalt von Grünflächen und Naherholung das Erbe an die nächste Generation ist“, erläutert Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), die sich bei allen Beteiligten in Wien als auch in Niederösterreich für die gute Zusammenarbeit bedankt.
"Perlenkette" entlang der Liesing
Entlang der Liesing soll eine „Naherholungsperlenkette“ von Aufenthaltsflächen entstehen und Renaturierungsmaßnahmen vorangetrieben werden, die die beliebte Naherholungsachse kurzfristig weiter stärken sollen.
Lückenschluss. Mit dem Projekt im Süden soll der Lückenschluss des Grüngürtels rund um Wien gelingen. Schon 1905 wurde mit dem Beschluss des Wiener Wald- und Wiesengürtels die Basis für den Erhalt der Grünräume in Wien und im Wiener Umland gelegt.
Gute Beispiele. Der Biosphärenpark Wienerwald und der Nationalpark Donau-Auen sind dabei die größten und prominentesten Beispiele. Mit dem Regionalpark DreiAnger an der nordöstlichen Stadtgrenze wurde das erste Kooperationsprojekt zwischen Wien (Bezirke Floridsdorf und Donaustadt), Niederösterreich und einer Umlandgemeinde (Gerasdorf), umgesetzt.
Viele grüne Flächen
Die Schaffung eines großzügig begrünten Wohngebiets, das sich von Norden nach Süden erstreckt, ist im Stadtentwicklungsgebiet Weichseltalweg vorgesehen. Aber auch Kooperationen sieht das Konzept vor, etwa bei der Anlage und Nutzung einer Streuobstwiese in Lanzendorf in Zusammenarbeit mit einer karitativen Organisation.
Ein Vorbildprojekt ist der Regionalpark DreiAnger mit dem Marchfeldkanal.
Wesentliche Punkte des Konzepts sind die Verbesserung der Alltagsverbindungen zu den in Rothneusiedl geplanten Infrastruktureinrichtungen sowie die Vernetzung von Radrouten. Aber auch Maßnahmen zur Reduktion des Durchzugsverkehrs sind im Konzept vorgesehen. So soll im Bereich des Verschiebebahnhofs der Kfz-Transitverkehr in Favoriten unterbunden und bessere Bedingungen für Fuß- und Radverkehr geschaffen werden.
Mit dieser Maßnahme soll zugleich der Bereich des landwirtschaftlich geprägten Erholungsraums „Goldberg“ aufgewertet und die Voraussetzung für eine attraktive Erholungsachse geschaffen werden, die sich von der Liesing über den 2024 geschaffenen Tangentenpark bis zum Hauptbahnhof erstreckt. Das Projekt soll auch Detailverbesserungen bringen – wie etwa die bessere Beleuchtung des Radweges in Schwechat.
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