"Lebensmittel gehören in den Magen, nicht in den Müll"

Mit 15 Leo-Lebensmittelausgabestellen versorgt die Caritas rund 11.000 Menschen pro Jahr. Doch das Spendenaufkommen sinkt.
Zwei Personen halten eine Kiste mit Kartoffeln in einem Lagerraum mit Lebensmitteln.

An diesem Vormittag herrscht geschäftiges Treiben im Lager der Caritas in der Steinheilgasse in Floridsdorf, gerade riecht es nach reifem Obst. Mehr als 20 Tonnen Lebensmittel landen jede Woche hier.

Freiwillige überprüfen und sortieren die Früchte, schlichten sie in Regale und bereiten sie auf den Transport in eine der 15 Leo-Ausgabestellen in Wien und Niederösterreich vor. Dort können Personen, die weniger als 1.660 Euro im Monat Einkommen haben, kostenlos Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs abholen.

Sabine und Karin sind zwei der insgesamt 800 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sowohl die Organisation im Lager, den Transport zu den Ausgabestellen als auch die Ausgabe selbst organisieren.

"Etwas Produktives tun"

"Ich wohne gleich in der Nähe und kann einmal in der Woche etwas Produktives tun“, sagt Karin, die Pensionistin, während sie einen Korb für eine Ausgabestelle befüllt. Ihre Freundin Sabine pflichtet ihr bei: "Meine Kinder sind aus dem Haus, jetzt habe ich neben meiner Arbeit dafür Zeit."

Zwei Frauen stehen lächelnd hinter Kisten voller Lebensmittel.

Sabine und Karin (re.) sind ehrenamtliche Helferinnen

Öffentliche Aufmerksamkeit

Dass an diesem Tag ein bekanntes Gesicht im Lager dabei ist, freut sichtlich nicht nur die beiden. Die Schauspielerin Valerie Huber hilft der Caritas, öffentliche Aufmerksamkeit für diese wichtige Tätigkeit zu bekommen.

Die Aufmerksamkeit ist dringend nötig, weiß Caritas-Direktor Klaus Schwertner: "Das Spendenaufkommen stagniert, der Bedarf steigt." Denn der Druck auf Menschen sei zuletzt stark gestiegen, vor allem Kinder leiden unter der Armut.

"4.500 Kinder haben wir im Vorjahr mit unseren Leo-Ausgabestellen unterstützt, insgesamt sind es 11.000 Personen, ein trauriger Rekord“, sagt Schwertner.

"Die Armut steigt"

Seit 2023 ist die Anzahl derer, die von der Caritas diese Unterstützung benötigen, um etwa 25 Prozent gestiegen. Und genau hier hakt Valerie Huber ein. "Die Armut steigt, die Menschen sind auf Projekte wie dieses angewiesen", sagt die Schauspielerin, die als Frau von Franz Klammer im Film "Klammer – Chasing the Line“ bekannt wurde. Sie ist in Afrika aufgewachsen, war mit der Caritas schon gemeinsam in Krisenregionen wie dem Südsudan.

Aus dieser persönlichen Geschichte resultiert Hubers Gefühl für Ungerechtigkeit, sie weiß, wie groß der Unterschied sein kann, den der Ort ausmacht, an dem man geboren ist. Aber sie sagt auch: "Es gibt nicht nur in Afrika, sondern auch bei uns große Ungerechtigkeiten."

Kampf gegen Verschwendung

Deshalb liegt ihr gerade dieses Projekt der Caritas so am Herzen. Denn es hat abgesehen von der Unterstützung armutsbetroffener Menschen noch einen wesentlichen Aspekt, den die ehemalige "Miss Earth Austria“ besonders hervorhebt: den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung.

Mit 160 Filialen von Lebensmittelketten hat die Caritas aktuelle Vereinbarungen, meist kommt richtig gute Ware ins Lager, die sonst weggeschmissen worden wäre. "Lebensmittel gehören in den Magen von Menschen, nicht in den Müll“, bekräftigt Klaus Schwertner, der den steigenden Druck auf die Menschen spürt.

"Kürzungen überdenken"

Gerade angesichts der vielen Kinder, die von der Caritas versorgt werden, richtet er einen Appell an die Regierung – nämlich jenen, Kürzungen bei der Sozialhilfe zu überdenken. Denn Maßnahmen wie diese würden nicht dazu beitragen, das erklärte Ziel, die Kinderarmut zu reduzieren, "im Gegenteil", ist Schwertner überzeugt.

Die Lebensmittel werden von derzeit sieben Fahrzeugen ausgeliefert, 113.066 Kilometer wurden zurückgelegt. Aufgrund des gestiegenen Bedarfs ist ein weiteres Fahrzeug nötig. Ein neuer E-Transporter muss angekauft werden, um das Einsammeln und Ausliefern der Waren bewerkstelligen zu können. Der Kostenpunkt dafür liegt bei 70.000 Euro für Anschaffung und Betrieb im ersten Jahr.

Dafür braucht es Spenden, sagt Leo-Projektleiterin Lea Laubenthal, die auch weiß, dass die Hürde für viele Menschen hoch ist, sich Hilfe zu holen. Hilfe, die es niederschwellig bei den Leo-Ausgabestellen der Caritas gibt.

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