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Nach Straßenblockaden in Wien: Polizei verhängt 38 Anzeigen

"Letzte Generation" will Wien diese Woche lahmlegen. 14 Aktivisten waren an den Blockaden beteiligt, die Polizei war mit 100 Mann im Einsatz. Festnahmen gab es keine.

von Kevin Kada, Stephanie Angerer

01/09/2023, 05:42 AM | Aktualisiert am 01/09/2023, 08:29 AM

Mit etwas Verspätung – nämlich kurz vor 8 Uhr und nicht wie geplant ab 7 Uhr – starteten die Aktivistinnen und Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" am Montagmorgen ihre Protestaktion auf den Straßen von Wien. 

Sehen Sie hier ein Video der Aktion:

Blockade auf der Wiedner Hauptstraße

In der Wiedner Hauptstraße schaltet die Ampel am Zebrastreifen um 7.55 Uhr auf rot. Während die Autos abbremsen, laufen drei Frauen mit Plakaten auf die Straße. Sie halten ein großes Transparent mit der Aufschrift "Stoppt die fossile Zerstörung" in die Höhe. Sofort startet ein Hupkonzert, zwei Autofahrer drücken gar aufs Gaspedal und umfahren die Blockade am Gehsteig. 

"Unsere Kinder müssen zur Schule, gehen Sie weg da", rief ein erboster Vater in Richtung der Protestaktion. Eine Frau steigt ebenfalls aus und geht schnellen Schrittes auf die Klimaaktivisten zu. "Was machen Sie da? Ich muss jetzt sofort in die Arbeit!" 

Mitbegründerin der Letzten Generation bei Protest

Es dauert keine drei Minuten, bis das Folgetonhorn der Polizei zu hören ist. "Schnell, die Polizei kommt", ruft Caroline Thurner, einer der Aktivistinnen und Mitbegründerin der Letzten Generation den anderen Frauen zu.

Mit einem Handtuch versucht sie noch, die nasse Fahrbahn zu trocknen, gibt den Kleber auf ihre linke Hand und legt diese auf die Straße. Doch die Polizei ist zu schnell vor Ort und hält die drei Frauen davon ab, sich auf der Straße festzukleben. 

Wo die Letzte Generation in Wien Straßen blockierte

Minuten nach Beginn der Aktion rückt die Polizei mit sieben Autos und rund 40 Beamten an und brachte die Aktivisten von der Straße. Der Verkehr war etwa für 10 Minuten unterbrochen. Immer wieder ist lautes Hupen der Autofahrer zu hören. 

Zeitgleich fanden in Wien noch drei weitere Aktionen der Letzten Generation statt. Neben der Wiedner Hauptstraße wurde zudem die Rossauer Lände, die Burggasse und die Gymnasiumstraße blockiert. Auch dort wurden die Aktionen beendet, wie die "Letzte Generation" auf Twitter mitteilte.

Keine Gründe für Festnahmen

Laut Polizei kam es Montagfrüh zu „umfangreichen Verkehrsbehinderungen“. Die Blockade in der Wiedner Hauptstraße wurde - wie berichtet - bereits vor der Umsetzung von Beamten verhindert, sagte Polizeisprecherin Barbara Gass. Die drei weiteren Aktionen waren spätestens nach rund einer Stunde beendet.

Laut Polizei waren 14 Personen an den Blockaden beteiligt. Es gab 38 Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz, Sicherheitspolizeigesetz und nach der Straßenverkehrsordnung. Außerdem werden den Teilnehmern die Kosten des Einsatzes gemäß dem Sicherheitspolizeigesetz vorgeschrieben.

Gründe für Festnahmen lagen bei den Einsätzen Montagfrüh nicht vor, damit dürften die beteiligten Aktivistinnen und Aktivisten ihre für die ganze Woche angekündigten Aktionen in Wien in den kommenden Tagen fortsetzen.

Die Aktion sei ein voller Erfolg gewesen, zieht Martha Krumpeck, Gründerin der Gruppierung, Bilanz: "Vier von vier Blockaden haben stattgefunden, keine wurde vorab unterbunden." An manchen Stellen habe es Probleme mit dem Kleber gegeben, der an der nassen Fahrbahn nicht schnell genug haftete. "Aber auch aus solchen Erfahrungen lernen wir dazu und werden es nächstes Mal besser machen", betont Krumpeck. 

"Großaufgebot" der Polizei

Sie verstehe nicht, weshalb dermaßen viele Polizisten bei den Aktionen gewesen sind. "Es wirkt wie eine Arbeitsbeschaffungsmethode. Meiner Meinung war die Polizei mit so einem Großaufgebot vor Ort, um uns dann die hohen Einsatzkosten zu verrechnen", sagt die Aktivistin.  Wie die Polizei gestern bekannt gab, standen am heutigen Montag 100 Beamte im Einsatz.

Weitere Protestaktionen für die Woche geplant

Die heutige Protestaktion soll aber erst der Anfang sein, wie die Gruppe im Vorfeld erklärt hatte und auch auf Twitter wiederholte. "Wir kommen morgen wieder", heißt es in dem Tweet. Morgen sei etwas größeres geplant, nähere Details wolle man aus taktischen Gründen aber noch nicht bekanntgeben. „Wir werden den Verkehr rund um Schulen zwangsstilllegen, um dafür zu sorgen, dass die Kinder sicher in die Schulen kommen und nicht von Autos angefahren werden“, sagte Krumpeck.

In einer Aussendung forderten sie die Bundesregierung auf, „die eigenen Klimaziele endlich ernst zu nehmen, und umgehend die einfachsten, billigsten Maßnahmen wie Tempo 100 auf der Autobahn“ umzusetzen. „Jeden Tag müssen sich unsere Kinder auf dem Weg zur Schule durch eine Verkehrshölle quälen, weil wir Städte immer noch für Autos statt für Menschen bauen. Heute sorgen wir für sichere Schulwege“, wurde eine Aktivistin zitiert.

"Rote Ampeln" der Klimakrise

Der im Vorjahr veröffentlichte jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC warnte erneut vor den „roten Ampeln“ der bereits gegenwärtig wirkenden Klimakrise. Ein Überschreiten drohe die Erde in Zukunft zu einem für Menschen unbewohnbaren Planeten zu verwandeln. Österreich stößt pro Kopf laut unterschiedlichen Berechnungen überdurchschnittlich viele Treibhausgase aus und liegt deutlich über dem Schnitt der Weltbevölkerung. Allein 830.000 Tonnen des klimaschädlichen CO2 pro Jahr könnten laut Umweltbundesamt durch Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen und Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen vermieden werden.

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