┬ę APA/ROLAND SCHLAGER

Chronik Wien
06/22/2021

Klimaaktivistin im Hungerstreik stellt Lobau-Besetzung in Aussicht

Martha Krumpeck: "Wir werden dieses Projekt nicht zulassen. Das ist der Kampf unserer Generation, das ist unser Hainburg".

"Es wird ein hei├čer Sommer und ein noch viel hei├čerer Herbst." Das hat die Klimaaktivistin Martha Krumpeck, die sich seit 31. Mai am Wiener Heldenplatz im Hungerstreik befindet, bei einer Pressekonferenz von Extinction Rebellion (XR) im Cafe Pr├╝ckel am Dienstag angek├╝ndigt. Die Lobau-Besetzung sei das Hauptthema, ├╝ber das in Aktivistenkreisen derzeit gesprochen werde.

"Es gibt den Rechtsweg und es gibt den Weg des zivilen Widerstands. Und wo der Rechtsweg versagt, ist es Zeit, zivilen Widerstand anzuwenden", gibt sich Krumpeck k├Ąmpferisch und zieht Parallelen zur Besetzung der Hainburger Au 1984 und dem Widerstand der Zivilgesellschaft gegen das AKW Zwentendorf 1978. "Wir werden dieses Projekt nicht zulassen. Das ist der Kampf unserer Generation, das ist unser Hainburg", so Krumpeck weiter, die mittlerweile nach eigenen Angaben acht Kilo an Gewicht verloren hat und ihren Hungerstreik fortsetzen will, solange es ihr Gesundheitszustand zul├Ąsst.

Aktion

Die aktuelle Hitzewelle, die sie im Schatten des Heldentors zu ├╝berstehen versucht, ist f├╝r sie eine weitere Best├Ątigung, "warum es diese Aktionsform braucht. N├Ąmlich weil unsere Regierungen absolut nichts gelernt haben." Es gebe nur "Lippenbekenntnisse zum Klima- und Umweltschutz. Aber wenn es um die elementarste Forderung geht, n├Ąmlich zumindest keine neuen Projekte zu finanzieren, die die Klimakrise verschlimmern, stellt sich die Regierung weiter taub", so Krumpeck weiter.

Eine Einsch├Ątzung, die auch der Verkehrsexperte Ulrich Leth von der Technischen Universit├Ąt Wien teilt: "Wir versuchen seit Jahrzehnten, den Stau wegzubauen, wir versuchen Entlastungen zu schaffen durch Stra├čenausbau", doch wissenschaftlich habe sich l├Ąngst gezeigt: "Der Bau von Stra├čen erzeugt neuen Verkehr". Er kritisiert, dass die Entscheidung f├╝r den Lobautunnel und die Seestadt-Spange auf falschen Annahmen und Prognosen beruhe. Der Motorisierungsgrad sei nicht auf 440 Pkw pro 1.000 Einwohner gestiegen sondern auf 370 gesunken.

Klimaziele

Auch die ├ľffi-Tarife haben sich entgegen der Prognosen mit der Wiener Linien-Jahreskarte um 365 Euro verbilligt und das 1-2-3 Ticket befindet sich auf Bundesebene in Diskussion. Letztlich w├╝rde das Festhalten an Lobautunnel und Seestadt-Spange die selbst gesteckten Klimaziele von Bund und Land, bis 2040 "klimaneutral" zu werden, konterkarieren, so Leth weiter. "Es sollen hochrangige Stra├čen gebaut werden, andererseits haben wir Klimavertr├Ąge unterzeichnet. Beides gleichzeitig wird sich nicht ausgehen."

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