Nonstop-Abo in Wien: Mehr junge Menschen in Programmkinos
Weiterhin Licht in Breitensee: Das Nonstop-Abo bringt dem Kino mehr Reichweite.
Von Maximilian Gruber
Um 18 Uhr hatte Laura einen Termin im ersten Bezirk. Die 21-Jährige hat sich ein Spanischbuch von Willhaben abgeholt. Früher wäre sie zurück nach Hause gefahren, doch heute ist es anders: Sie geht ins Kino, ins Actors Studio. Seit einem Jahr hat sie eine grüne Karte in ihrer Geldbörse. Nonstop steht darauf.
Der Name ist Programm: Diese Karte ermöglicht ihr, unbegrenzt in Filme auf der großen Leinwand einzutauchen, zurückgelehnt in samtige rote Sitze. Heute wird sie auch den Popcorngeruch in der Nase haben. Das gönne sie sich diesmal, denn sie müsse ja „nichts“ für die Kinokarte zahlen.
Heute, 16. März, feiert das Nonstop-Kinoabo seinen dritten Geburtstag. Ist man jünger als 26, zahlt man monatlich 22 Euro, für Ältere kostet es pauschal 24 Euro. In den 17 teilnehmenden Wiener Stadtkinos kommt das besonders gut an: Von rund 14.300 Abos in Österreich wurden allein 12.500 in Wien abgeschlossen.
Laura geht dank ihres Abos öfter ins Kino.
Und das macht etwas mit dem Wiener Kinoalltag. Das Abomodell hat wieder junges Publikum in die Kinosäle gebracht. Der Großteil der Abonnenten sind Studierende und junge Erwachsene, doch auch sonst haben sich die Kinobesuche verändert.
Vor dem Actors Studio erzählt Laura, sie wisse noch nicht einmal, welchen Film sie sich anschauen werde. „Um 19.30 und 19.45 Uhr spielen sie zwei Filme, ich entscheide kurz davor, worauf ich mehr Lust habe.“ Kinobesuche sind für sie spontaner geworden.
Mehr Reichweite für Kinos
Einige U3-Stationen weiter stehen Marie und Veit in Penzing vor den Breitenseer Lichtspielen, dem ältesten Kino Wiens. Viele ihrer Freunde haben das Abo, also entschieden sie sich vor vier Monaten auch dafür. „Seitdem gehen wir viel öfter ins Kino“, erzählen die 22-Jährigen. „Ohne Abo wären wir heute nicht hier.“
Die beiden betreten den kleinen Saal, von außen schließt Dieter Mattersdorfer langsam die Tür. Er drückt einige Knöpfe, dann dringt gedämpfte Filmmusik durch die Türspalten. Vor vier Jahren haben Christina Nitsch-Fitz und er die Breitenseer Lichtspiele übernommen. Seit zwei Jahren sind sie Teil des Nonstop-Netzwerks.
Betreiber Mattersdorfer und Nitsch-Fitz.
„Das war auf jeden Fall ein Push für uns“, sagt Nitsch-Fitz. Durch das Abo bekomme das Kino mehr Reichweite. Das ist eine finanzielle Hilfe, pro Abo-Besuch erhalten Kinos nämlich ungefähr den Preis einer ermäßigten Karte. Eine Veränderung im Kinoalltag bemerken auch die Betreiber: „Oft gibt es kaum Reservierungen, aber plötzlich kommen 20 Nonstop-Leute“, erzählt Mattersdorfer.
Bei vielen Vorstellungen ahnen die beiden aber im Vorhinein, dass ihr Angebot bei den zahlreichen jungen Abonnenten beliebt sein wird. „Besonders bei Klassikern oder eher anspruchsvollen Filmen.“
Was Nitsch-Fitz auffällt: Nahmen anfangs fast nur junge Menschen das Angebot in Anspruch, so sind mittlerweile auch ältere Personen dabei. „Die Leute, die wieder Zeit haben“, vermutet Mattersdorfer. Einer von ihnen ist Philipp Matheis, 74 Jahre alt, Stammkunde. Er ist auch heute da.
Die Abokarte im Scheckkartenformat.
„Kino wieder im Fokus“
Im Schnitt 15 Mal geht Herr Matheis im Monat ins Kino. „Durch das Abo sind das für mich nicht einmal zwei Euro pro Film“, freut er sich. Auch Ursula Amster ist seit einem Jahr Abonnentin. Die 52-Jährige war davor zwar auch häufig im Kino, doch seitdem habe sich ihre Filmwahl verändert. „Ich probiere mehr Filme aus, die ich sonst nicht angeschaut hätte.“ Das mache finanziell keinen Unterschied. „Es ist ja wirklich billig. Für das Geld bekommst du ja nicht einmal ein Schnitzel im Ersten“, scherzt Kinobetreiber Dieter Mattersdorfer.
KommPAKT!
Dieses Theaterabo bietet fünf Vorstellungen in fünf Wiener Theatern. Regulär kostet es 75 Euro, unter 27-Jährige zahlen ermäßigt 50 Euro. Man kann aus fünf verschiedenen Paketen wählen.
Literatur-Abo
Mit dem Abo „Literatur im Konzerthaus“ kann man fünf Lesungen im Mozart-Saal besuchen. Ein Jugendabo kostet 90 Euro, ansonsten liegt der Preis zwischen 118 und 275 Euro.
Bücherabo
In der Buchhandlung Analog im 6. Bezirk gibt es drei Bücherabos. Neuerscheinungen, Taschen- oder Kinderbücher werden dabei monatlich nach Hause geliefert.
Museen-Mitgliedschaft
Kein Abo, aber eine Mitgliedschaft bietet die Gesellschaft der Freunde der bildenden Künste. Für 50 Euro ermäßigt sowie 99 Euro regulär erhält man Eintritt in 20 Museen.
Der Pauschalpreis war auch für Laura ausschlaggebend: „Ich könnte jeden Tag ins Kino gehen, ohne aktiv Geld dafür auszugeben.“ Früher hätte sie dreimal überlegt, einen Film anzuschauen.
„Kino ist wieder in den Fokus gerückt“, freuen sich die Kinobetreiber. Was das Kinogehen von Online-Streaming unterscheide? „Es ist ein Akt, eine soziale Interaktion“, sagen Marie und Veit. „Danach gehen wir noch etwas trinken und besprechen den Film.“ Laura ergänzt: „Zuhause würde ich bei einem Film aufs Handy schauen.“ Aber im Kino komme sie dem Film nicht aus.
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