© Preusser

Analyse
10/12/2021

Kindergarten-Protest: Schuld wird hin und her geschoben

Gestern streikten die privaten Kindergärten in Wien, morgen ziehen die städtischen nach. Stadt und Bund putzen sich aneinander ab

von Agnes Preusser, Christoph Schwarz

Vor dem Streik ist nach dem Streik. Für die Wiener Kindergartenpädagoginnen gilt das auch im wortwörtlichen Sinne: Erst gestern gingen die Pädagoginnen der Privatkindergärten auf die Straße, morgen tut es ihnen das Personal in den städtischen Kindergärten gleich.

Dass die beiden Gruppen nicht gemeinsam demonstrieren, schwächt sie – und hat politische Gründe. Das Personal in den Privatkindergärten richtete seinen Protest unter anderem gegen die Stadt.

Das städtische Personal, angeführt von der roten Gewerkschaft, wird wohl primär den Bund kritisieren. Womit man auch schon bei einem der Kernprobleme angekommen wäre: Die Frage, wer an der Kindergarten-Misere Schuld hat, wird gerne zwischen der Stadt und dem Bund hin- und hergeschoben.

Übrig bleiben die Betroffenen, deren Probleme seit Jahren bestehen: Pädagoginnen klagen über Überlastung und fordern kleinere Gruppen, mehr Personal und bezahlte Vorbereitungszeit (wie bei Lehrern). Ebenfalls ein Thema ist die schlechte Bezahlung, die zu einem Fachkräftemangel führt.

Am treffendsten brachte es vielleicht eine Demonstrantin beim gestrigen Protest auf den Punkt: „Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten wie ich bezahlt werde“, stand auf ihrem Plakat.

Historischer Moment

Sie war nur eine von 5.000 Menschen, die sich vor der Votivkirche sammelten. Und hätte man sich im Vorfeld ausgemalt, wie eine Demonstration von Kindergartenpädagoginnen aussehen könnte, hätte man wohl genau das vor Augen gehabt, was schließlich zu sehen war: Liebevoll gestaltete Plakate, bemalte Masken, Jubelschreie begleitet von typischen Kindergarteninstrumenten wie Schellen oder Rasseln. Und das war in der Masse ziemlich beeindruckend.

Auf bunten Transparenten standen eingängige Sprüche: „Der schönste Scheißjob der Welt“. Und: „Wir brauchen eine Verschnaufpause“. Nach fast jedem Satz der Sprecher auf der Gewerkschaftsbühne brandete der Jubel auf.

Von einem „historischen Moment“ war die Rede, noch nie hätte „ein Streik in dieser Dimension mit einer Betriebsversammlung im öffentlichen Raum“ stattgefunden, hieß es. „Heute schreibt ihr Geschichte“. Und: „Schluss mit den braven Tanten“.

Einen ersten Erfolg konnten die Pädagogen schon feiern. Wiens Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) hat am Montag angekündigt, dass ab 2022 die Assistentinnen 40 statt wie bisher nur 20 Stunden pro Woche in den Kindergartengruppen sind.

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