Chronik | Wien
01.03.2018

Kindergarten-Leiterin: "Bei diesem Wetter gehen wir nicht hinaus"

Frost-Auswirkungen: Kindergartengruppen gehen nicht ins Freie, Flüge fallen aus und Rekord bei Wärmeverbrauch.

Der Dauerfrost wirkt sich auf alle Lebenslagen aus – auch auf Kindergärten und Hortgruppen. Martina Lassl etwa betreibt fünf Standorte in Wien und sagt: „Wir gehen bei diesem Wetter nicht hinaus. Das gilt für alle Gruppen. Man hört immer wieder, dass die Gefahr von Erfrierungen bei Kindern höher ist, das muss man bei minus zwölf Grad nicht riskieren. Es ist zu ihrem Schutz, damit nichts passiert.“

Die Kinder, die in ihren Betrieben betreut werden, 250 insgesamt, sind ein bis zehn Jahre alt. „Nachdem es keine gesetzliche Regelung dazu gibt, ist es Ermessenssache.“ Dass den Kindern die frische Luft fehlt, merke man schon. „Man muss dann andere Bewegungsmöglichkeiten suchen. Meistens handelt es sich ja nur um ein paar Tage.“

Auch den Arbeitsmarkt lässt die sibirische Kälte nicht unberührt. „Einer der kältesten Februare der letzten Jahrzehnte folgt auf einen der wärmste Jänner der Messgeschichte. Diese Besonderheit zeigt sich am Bauarbeitsmarkt deutlich“, sagt AMS-Chef Johannes Kopf. Während die Bauarbeitslosigkeit Ende Jänner um 14 Prozent sank, betrug der Rückgang Ende Februar nur rund drei Prozent.

Energie-Rekord

Wien Energie verzeichnete Donnerstagfrüh den höchsten Wärmeverbrauch seit 49 Jahren. Zwischen sechs und neun Uhr haben die Kraftwerke bei minus elf Grad eine Leistungsspitze von 2414 Megawatt erreicht. Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Wintertag liegt sie in Wien bei 1600 Megawatt.

Auch auf den Verkehr hat das anhaltende Winterwetter Auswirkungen. Die Flughäfen in Glasgow, Edinburgh (beides Schottland) und Genf (Schweiz) mussten Donnerstagfrüh wegen heftigen Schneefalls geschlossen werden. Das Flugverbot in Genf betraf auch Österreich: „Zwei ankommende und ein abgehender Flug wurden am Donnerstag gestrichen“, hieß es vom Flughafen dazu.

Während Essenszusteller von den tiefen Temperaturen profitieren, müssen die Radboten durch die klirrende Kälte flitzen. Zusätzliche Ausrüstung gibt es z. B. bei Foodora kaum. „Wir haben vor drei Monaten bezüglich Handschuhen und Gesichtsmasken angefragt, sind aber vertröstet worden“, sagt der stellvertretende Betriebsrat. Auch Kältezulagen gibt es nicht.

Der Kälte trotzt die Eissalon-Kette Veganista. Pünktlich am 1. März eröffnen alle Shops wie geplant. Im Sortiment sind auch zwei neue „Inbetwiener“ (die beliebten Eis-Sandwiches) sowie die Sorten „Salted Chocolate mit Cashewmilch“ und „Kokos-Chia-Eis mit Granola“.

Mit bis zu sieben Grad am Sonntag soll es laut UBIMET am Wochenende in Wien zumindest deutlich wärmer werden.