Chronik | Wien
23.10.2018

KH Nord: Ex-KAV-Chef Janßen sah "eklatante Defizite"

Spitalsbau schon bei Amtsantritt 2014 ein "kriselndes Projekt".

Der deutsche Spitalsmanager Udo Janßen, der von November 2014 bis Frühjahr 2017 an der Spitze des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) stand, war bereits bei seinem Amtsantritt mit "eklatanten Defiziten" beim Bauprojekt Krankenhaus Wien-Nord konfrontiert. Das hat er am Dienstag bei seinem Zeugenauftritt in der gemeinderätlichen U-Kommission versichert. Er habe sich um "Schadensbegrenzung" bemüht.

Janßen, dessen Aussage mit Spannung erwartet worden war, zeichnete ein düsteres Bild von der damaligen Situation. Schon 2014, als er sein Amt von Wilhelm Marhold übernommen habe, sei in einem Bericht der begleitenden Kontrolle dokumentiert worden, dass es zu einer Kostensteigerung auf bis zu einer Milliarde Euro und zu einer "Bauzeitverlängerung" von neun Monaten kommen dürfte, erzählte er. "Das Projekt hat sich eigentlich schon in einer kritischen Phase befunden", beteuerte er.

Keine ausreichenden Controllingstrukturen

Die Verzögerung, die durch den Konkurs einer Fassadenfirma eintreten sollte, sei darin noch gar nicht enthalten gewesen, sagte Janßen. Er und sein Stellvertreter, der KH-Nord-Projektleiter Thomas Balazs, hätten "raschest" alle Maßnahmen gesetzt, damit das "kriselnde Projekt" nicht weiter eskaliere. Das Vorhaben sei, so zeigte er sich überzeugt, von Beginn an nicht richtig aufgesetzt worden. Denn am Ende einer Bauzeit komme es selten zu großen Kostensteigerungen - diese müssten also in einer sehr frühen Phase verursacht worden sein. Laut Janßen sind etwa keine ausreichenden Controllingstrukturen vorhanden gewesen.

Janßen berichtete auch, dass es zwischen dem Architekten Albert Wimmer und den ausführenden Fassadenfirmen große Probleme ("Verwerfungslinien") gegeben habe. Letztere hätten die vorgelegten Pläne kritisiert.

"Hausaufgaben nicht gemacht"

Der Architekt des Großspitals hatte in der Kommission ausgesagt, dass es unter Janßen nur mangelnde Baufortschritte gegeben habe. Der ehemalige Wiener Spitälerchef konterte heute. Es sei nicht um die "Begehrlichkeiten" Wimmers gegangen: "Es ging darum, Schadensbegrenzung durchzuführen." Der Architekt habe seine Hausaufgaben "sicherlich nicht" gemacht gehabt: "Herr Wimmer ist nicht an der Stelle eines Opfers." Vielmehr sei der Architekt einer der "Mitgestalter" der Situation.

 

Janßen räumte ein, dass es sich beim Krankenhaus Nord um ein "sehr komplexes Bauprogramm" gehandelt habe. Es sei generell die Frage zu stellen, ob es sinnvoll sei, ein solches Projekt eigenständig durchzuführen.