Für Spezialitäten wie dem Backfleisch kommt Attersee gerne zu Andreas Kern

© KURIER/Gerhard Deutsch

Innere Stadt
05/22/2016

Kern Beisl: Wo der Schöpfer sein Backfleisch isst

In seinen Ruhephasen findet sich "die Kunstmaschine" Christian Ludwig Attersee oft im Kern Beisl ein.

von Anna-Maria Bauer

Neue Kunstwerke kreieren, den Unterricht in Geras vorbereiten, eine Eventreihe planen, Schubertlieder für die Salzburger Festspiele kommendes Jahr bearbeiten, bzw. "atterseeisieren".

Freie Tage gibt es im Leben von Christian Ludwig Attersee auch mit 75 Jahren nicht. Trotzdem, hin und wieder muss auch er Energie tanken. Dann spaziert er durch die ruhigen Gassen der Innenstadt – bis zum Kern Beisl in der Kleeblattgasse.

Andreas Kern führt das Beisl in dritter Generation. Warum er sich für den Beruf des Kochs entschieden hat? "Naja, weil es einfach lässig ist", erklärt der Lokalchef mit einem Schulterzucken, begrüßt die eintretenden Stammgäste und zapft noch ein Bier.

In dem urigen Lokal mit der dunklen Holzvertäfelung findet Attersee Speisen "wie damals, als ich 1975 nach Wien gekommen bin". Nämlich Beuschel und Hirn, Schulterscherzel oder natürlich Schnitzel. Diesmal darf es Alt-Wiener-Backfleisch sein, ein gekochtes und anschließend paniertes Rindfleisch.

Beisl vs. Kaffeehaus

"Wenn ich alleine sein möchte, geh ich lieber hierher als ins Kaffeehaus", sagt Attersee, während ihm der Kellner ein Glas Wein serviert. "Im Café kann ich nicht entspannen, weil ich immer wen treffe, der mit mir ein Projekt machen möchte." Ist er doch Maler und Bühnenbildner, Musiker, Opernregisseur sowie Mosaikkünstler (und dreifacher Segel-Staatsmeister; daher sein Künstlername). Mit einem kurzen, verschmitzten Lächeln ergänzt er: "Ich habe einfach zu viele Berufe."

Als Lokalbesitzer hat er sich übrigens auch versucht. Mit dem "Neu Wien" in der Bäckerstraße führte er eines der etabliertesten Künstlerlokale. "Das muss man sich halt auch leisten können – und das konnte ich. Ich habe viele Künstler und Journalisten durchgefüttert." Heute würde er die Rolle des Wirten aber nicht mehr aushalten: "Ich habe immer Klavier spielen müssen – und täglich eine Flasche Schnaps getrunken." Die Kultur des Künstlerbeisls will er dennoch erhalten. Mit dem Kratz-Fest startet Anfang Juni eine neue Eventreihe im "Oswald & Kalb".

Apropos Kalb. Der goldbraun gebackene Rostbraten wird soeben serviert. "Ursprünglich", fährt Attersee fort, während er einen Bissen Erdäpfelsalat nimmt, "wollte ich ja Opernsänger werden." Weil er aber auf einem Ohr taub ist, wurde ihm diese Ausbildung verwehrt. So suchte er sich einen anderen Weg in die Oper – und zwar als Bühnenbildner.

Zu viele Barocksessel

Mit 16 Jahren kam er an die Angewandte. "Ich war der jüngste, der je dort aufgenommen wurde. Ein spätes Wunderkind, wenn man so will. Aber dort musste ich andauernd Barocksessel zeichnen – das hat mich nicht interessiert. Da dachte ich, ich werde lieber Maler." Mit mehr als 550 Einzelausstellung zählt Attersee heute zu den produktivsten Künstlern der Gegenwart. Denn auch wenn der Beginn eines neuen Gemäldes stets eine Überwindung ist, kann er es nach Fertigstellung des einen kaum erwarten, das nächste zu beginnen: "Ich bin eine Kunstmaschine. Kurz vor der Fertigstellung überkommt mich dieses Ganzkörpergefühl. Da bin ich Teil der Schöpfung und damit Gott gleich. Nur dann bin ich im Jetzt – und glücklich."

An neuen Ideen mangelt es nicht. An Ruhestand wird daher nicht einmal gedacht. Ganz im Gegenteil: "Ich muss noch lange leben. Es ist ja noch nicht alles atterseeisiert."

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