Chronik | Wien 05.12.2011

Keine Spur von falsch entlassenem Häftling

© Bild: KURIER/Gnedt

Justizpanne: Ehefrau und Komplizen des Gesuchten standen am Dienstag vor Gericht. Fingerabdrücke sollen künftig Irrtümer verhindern.

Eigentlich sollte Nikola B., 31, am Dienstag im Wiener Landesgericht vor dem Richter stehen. Doch dort erschienen nur seine Ehefrau sowie zwei Komplizen des mutmaßlichen Serieneinbrechers. Denn er selbst hat sich, wie berichtet, mit einem dreisten Trick vor knapp drei Wochen selbst aus der U-Haft entlassen.

"Wir suchen nach dem Mann wie nach vielen anderen, die nicht zu ihrer Hauptverhandlung erschienen sind", heißt es im Landesgericht. Die Fahndung nach dem fälschlich entschwundenen U-Häftling blieb bisher ohne Erfolg. Der Mann könnte sich in seine Heimat Serbien abgesetzt haben.

Nikola B. war im Februar mit zwei Landsmännern in Innsbruck festgenommen worden. Das Trio soll im Raum Wien sowie in Tirol in den Monaten zuvor insgesamt 32 Einbrüche in Wohnhäuser begangen haben.

Urteil

Die beiden Serben, 39 und 35 Jahre alt, wurde dafür am Dienstag zu viereinhalb sowie drei Jahren Haft verurteilt (nicht rechtskräftig). B.s Ehefrau Danijela, 34, Betreiberin eines Nagelstudios in Wien, wurde hingegen vom Vorwurf, sie habe bei den Einbrüchen Aufpasser- und Chauffeurdienste geleistet sowie Beutestücke verkauft, freigesprochen. Sie saß zuvor fünf Monate in U-Haft.

"Ich hab' von der Mutter der Ehefrau erfahren, dass mein Mandant geflüchtet ist", sagte Philipp Winkler, Anwalt des untergetauchten Nikola B., zum KURIER. Er habe über die Mutter ausrichten lassen, dass es besser wäre, er stelle sich freiwillig.

Die Flucht des Häftlings aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt führt dort nun zu Konsequenzen. B. hatte am 30. Juni mit den Papieren eines um zwölf Jahre älteren Zellengenossen, der an diesem Tag zur Entlassung anstand, das Entlassungsprozedere
durchlaufen. Keiner der Wachbeamten schöpfte Verdacht. Und das, obwohl sich die Häftlinge überhaupt nicht ähnlich schauen sollen. Die involvierten Beamten müssen mit disziplinarrechtlichen Folgen rechnen.

"Damit so was nicht wieder passiert, werden in der Josefstadt bald die Fingerabdrücke überprüft", sagt Cornelia Leitner von der Vollzugsdirektion. Das dafür nötige technische Equipment wurde bereits bestellt.

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Erstellt am 05.12.2011