Anhaltende Kälte: Zwei obdachlose Männer in Wien erfroren

Eine Person sitzt allein auf einer Parkbank im verschneiten Park, umgeben von kahlen Bäumen und leeren Bänken.
Männer wurden von Streetwork-Teams der Caritas gefunden. Appell, Kältetelefon zu benutzen, bleibt aufrecht.

Kerzen, Betroffenheit und Trauer – Wien hat gleich zwei Kältetote in zwei Tagen zu beklagen. Beide obdachlos, beide erfroren. An der Ecke zwischen Brünner Straße und Frauenstiftgasse in Floridsdorf ist  eine Gedenkstätte eingerichtet worden. Für jenen Mann, der dort immer saß, der dort Leute grüßte, der dort lebte. Genau dort wurde der obdachlose Mann vergangenen Samstag  auch von Streetworkern der Caritas gefunden. Unterkühlt wurde der 57-Jährige ins Krankenhaus gebracht,  wo er verstarb.  

An seiner einstigen Ecke erinnern jetzt nur noch Kerzen an ihn. „Wir haben ihn immer da stehen gesehen“, sagt Anna Fellner, die gemeinsam mit ihrem Mann  an der Gedenkstätte inne hält. Sie kannten den Mann vom Sehen.

Ein Einzelfall war das Schicksal des obdachlosen Mannes aus Floridsdorf aber nicht. Nur einen Tag später, am Sonntag, fanden Streetworker  einen Mann reglos in einem Park in Favoriten. Die Rettung konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Von den zwei Fällen berichtete zuerst die Tageszeitung Heute.

Kein Platzmangel

Sozialarbeiter kannten die beiden Verstorbenen. Nach Angaben des Fonds Soziales Wien (FSW) gab es immer wieder Kontaktaufnahmen mit ihnen, die Männer wollten aber in keine Notschlafstelle. 

Gründe dafür, warum Menschen lieber draußen schlafen, gäbe es viele, berichtet sowohl der FSW als auch die Caritas. Psychische Erkrankungen spielen dabei eine Rolle genau so wie schlechte Erfahrungen oder weil die Menschen es nicht gewohnt sind bzw. nur schwer aushalten, mit so vielen anderen Personen in einem Raum zu schlafen.

Am Platzmangel liege es jedenfalls nicht, darüber ist man sich beim FSW und der Caritas einig. Erst vergangene Woche wurde bekannt geben, dass die Notschlafstellen  für Einzelpersonen um weitere 30 Plätze aufgestockt wurden.  Damit stehen in Wien rund  1.000 Schlafplätze im Rahmen der städtischen Winternothilfe zur Verfügung. Neben 13 Notquartieren können obdachlose Personen bis Ende April auch drei Wärmestuben aufsuchen. „Es wird alles unternommen, dass niemand abgewiesen werden muss“, so Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner.

Zu gefährlichen Situationen sei es in den vergangenen Wochen aufgrund der extremen Kälte aber dennoch gekommen. In „mehr als einem Dutzend Fälle“ habe die Caritas „buchstäblich in letzter Minute“ obdachlose Menschen gefunden und ins Krankenhaus bringen können, sagt Schwertner.  „Teilweise mit einer Körpertemperatur von 34 Grad.“ Die Personen hätten stabilisiert werden können. „In mehreren 100 Fällen haben wir Menschen in Notquartiere vermitteln können“, so der Caritas-Direktor.

630 Kältetote

In den zwei Fällen vom Wochenende hatte man weniger Glück. Beide Männer kamen ums Leben. Betroffen und traurig zeigte man sich darüber beim FSW und bei der Caritas. Dass zuletzt Menschen auf der Straße erfroren sind, „ist einige Jahre her“, sagte Schwertner zur APA. Im Dezember 2019 war ein irakischer Asylwerber auf der Straße in Ottakring tot aufgefunden worden, er war erfroren.

Ein Blick in die Statistik Austria zeigt allerdings, dass die „Exposition gegenüber übermäßiger natürlicher Kälte“ – so der Fachbegriff – gar keine so seltene Todesursache ist. Allein im Jahr 2024 kamen in Österreich 28 Menschen durch Kälte ums Leben.  Für das Jahr 2025 wurden die Zahlen noch nicht ausgewertet.

Betrachtet man die Statistik seit Beginn der Aufzeichnung, also vom Jahr 2002, sind in Österreich insgesamt 630 Menschen durch Kälte ums Leben gekommen. Die meisten Menschen sind in den vergangenen 23 Jahren in Niederösterreich an Kälte verstorben (125 Tote), gefolgt von der Steiermark (110 Tote) und Tirol (105 Tote). Am wenigsten Kältetote gab es dagegen im Burgenland (24 Tote), gefolgt von Vorarlberg (28 Tote). Wo genau die Menschen zu Tode gekommen sind und ob es sich dabei um obdachlose Menschen handelt oder nicht, wird in der Statistik nicht erhoben.

Kältetelefon und Kälteapp

Die Caritas verwies jedenfalls darauf, das Kältetelefon (01/480 45 53)  weiter zu nutzen. Dieses verzeichnete zuletzt bis zu 350 Anrufe pro Tag. Allein 8.000 Anrufe habe es in Wien in diesem Winter bereits gegeben, wird berichtet. Eine obdachlose Person in einer Notsituation könne aber auch über die KälteApp des FSW  gemeldet werden. Allein im Dezember gingen hier 460 Meldungen ein.

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