Chronik | Wien 05.12.2011

Juwelier: "Räuber wollte mich erschießen"

© Bild: Johannes Wolf

Einer der Täter in Hernals war als Paketzusteller getarnt. Das Opfer wurde bedroht und mit einem Elektroschocker attackiert.

Als der Alarm losging, sagte der Räuber zu seinem Komplizen, er soll mich erschießen." Dietmar Sulzberger sind die Spuren des Überfalls auch am Tag danach noch anzusehen: Ein Cut im Gesicht des 63-jährigen Juweliers zeugt von der Attacke der Räuber mit einem Elektroschocker auf ihn. Das Duo flüchtete mit etwas Beute - ohne zu schießen.

Es war Donnerstag gegen 17 Uhr, als es an der immer versperrten Türe des Uhren- und Schmuckgeschäftes in der Hernalser Hauptstraße 58 läutete. "Da stand ein Mann, gekleidet mit einer gelben Jacke und einem großen, gelben Paket in der Hand", schildert der Goldschmiedmeister. Er ließ den vermeintlichen Paketzusteller eintreten - da zwängte sich ein zweiter, mit Schal und Wollhaube maskierter Mann in den Laden.

Sulzberger: "Der Postler bedrohte mich mit einem Revolver, drängte mich nach hinten in die Werkstätte." Dort attackierte ihn der Mann mehrmals mit einem Elektroschocker, forderte in gebrochenem Deutsch von ihm, den Safe aufzusperren: "Ich versuchte ihn abzuwehren, sagte, ich hab' keinen Schlüssel da für den Safe." Unterdessen holte sich der andere Räuber aus Vitrinen fünf alte Sammleruhren und eine Perlenkette (Einkaufswert insgesamt rund 15.000 Euro). Und zertrümmerte nebenbei eine alte josephinische Standuhr aus dem Jahr 1780.

Als der Räuber die Glastür zum Schaufenster öffnete, ging ein akustischer Alarm los: "Ich sagte, dass wir jetzt mit der Polizei verbunden sind." Darauf rief der sichtlich nervöse Täter seinem Kollegen zu: "Erschieß ihn." Was der glücklicherweise nicht tat. Das Duo nahm dem Juwelier noch 3500 Bargeld ab und flüchtete.

Dritter Überfall

Opfer Dietmar Sulzberger wurde mit einem Elektroschocker attackiert
© Bild: Johannes Wolf

Für Dietmar Sulzberger, der 1981 sein auf Uhren spezialisiertes Geschäft eröffnet hat, war dies der dritte Überfall. Im Dezember 1983 rannte er vor einem Räuber aus dem Laden - und sperrte den bewaffneten Täter einfach ein. Die Polizei holte ihn ab. Sulzberger erhielt für seine Aktion damals den Sicherheitsverdienstpreis.

Am 1. Dezember 2007 erschien der nächste Gauner - vor diesem konnte der Juwelier durch die Hintertüre flüchten. Der Täter entkam mit geringer Beute. "Jetzt denke ich aber langsam an die Pension", sagt der Geschäftsmann nach dem Überfall vom Donnerstag - wieder ein 1. Dezember.

Der Coup war der 14. Überfall auf ein Juwelier- und Schmuckgeschäft in Wien im heurigen Jahr. Hinweise zu den Tätern: 31310/33 800.

Erstellt am 05.12.2011