Chronik | Wien 14.03.2012

Juwelen-Bande im Visier der Polizei

Millionenraub beim Juwelier Kornmesser: Mitbesitzer Ernst Klimitsch war geschockt, sein Angestellter wurde verletzt. © Bild: KURIER/Boroviczeny

Mehrere Überfälle gehen auf das Konto der "Pink Panther". Ein Täter befindet sich in Haft, nach vier weiteren wird gefahndet.

Sie ist zum Mythos geworden. Die Verbrecherbande "Pink Panther" (siehe unten) sorgt seit Jahren weltweit für Schlagzeilen. Paris, London, Dubai. Die Gruppe aus Ex-Jugoslawien, über die man bisher wenig gesicherte Information hatte, erbeutete bei Juwelier-Coups Millionen. Jetzt forschte das Wiener Landeskriminalamt (LKA) einen Ableger des Gangster-Netzwerks aus und nahm mithilfe von Salzburger Ermittlern die Fährte zu einer zweiten Bande, der "Cacak-Connection", auf.

"Cacak" ist der Geburtsort von Nikola B. (23) und Mihajlo M., 29, in Zentralserbien. Das Duo soll groß im Geschäft sein. Auf ihr Konto sollen jeweils zwei Überfälle in Wien und Salzburg gehen. Beim Juwelier Kornmesser in der Wiener City betrug der Schaden 3,5 Millionen Euro.

"Cacak"-Duo: Nikola B. und Mihajlo M. werden gesucht
© Bild: KURIER/Gruber

"Gut strukturiert, gut organisiert und brutal" seien sie vorgegangen, erklärte am Mittwoch Robert Klug vom LKA. Durch DNA-Abgleiche wurde ein Täter identifiziert. Ein Zweiter, der bereits in der Polizeidatenbank erfasst war, wurde auf Bildern einer Überwachungskamera erkannt.

"Das war mühsame, kriminalistische Kleinstarbeit" für die Ermittler und den Verbindungsbeamten in Belgrad, sagte Klug. Beide Täter werden in Serbien vermutet. Einer soll, nachdem ihn sein Kompagnon angeschossen hat, im Spital liegen.

U-Haft

„Pink Panther“: Filip P., 22, und Nemanja V., 23, sind flüchtig
© Bild: KURIER/Gruber

Vom Mythos "Pink Panther" als Vereinigung von Berufskriminellen bleibt angesichts der drei veröffentlichten Fahndungsfotos wenig übrig: Drei Milchgesichter, 21, 22 und 23 Jahre alt, konnten ausgeforscht werden. Das Serben-Trio soll bei einem missglückten Coup auf das Geschäft Elif in Wien-Hernals den Inhaber niedergeprügelt haben. "Das beweist, wie brutal sie vorgegangen sind", erläuterte Klug. Auf ihr Konto soll ein zweiter Überfall in Wien-Alsergrund gehen. Eine "pinke Raubkatze", Marko N., ist in Österreich in U-Haft. Er wurde in Bosnien verhaftet und überstellt. Zwei Verdächtige (Bilder rechts) sind flüchtig und in Serbien. Die drei sind kleine Fische. "Soldaten" nennt sie Klug, weil sie an der Front werken. Im Hintergrund agieren Logistiker, die Wohnungen bereitstellen, Organisatoren, die Geschäfte ausspähen – quasi das "mittlere Management". Hehler verteilen im Ausland die Ware, die Anführer streifen die Gewinne ein.

Für Michael Braunsperger von der Kriminalpolizeilichen Abteilung sind die Zahlen alarmierend: Heuer gab es acht Juwelier-Coups, im Vergleichszeitraum 2011 war es nur einer. Klug glaubt, dass durch solche "Teilerfolge" Wien von Kriminellen gemieden werde. Überfallopfer und Juwelier Florian Schwödt bezweifelt das: "Wenn man einen Kriminellen erwischt, kommen fünf nach."

Filmreif: Der Ring in der Creme-DoseName Die "Pink Panther" erhielten ihren Namen nach einem Überfall auf einen Juwelier in London. Ein Polizist fand in einer sichergestellten Dose für Gesichtscreme einen Diamantring – wie im Film "Der rosarote Panther" aus dem Jahr 1963.

Organisation Die Gruppe stammt aus Ex-Jugoslawien, umfasst bis zu 200 Mitglieder, die in unterschiedlichen Formationen weltweit Coups auf Juwelengeschäfte verüben.

( Kurier ) Erstellt am 14.03.2012