Chronik | Wien
13.11.2016

Jugendliche schlugen auf Mädchen ein und stellten Video ins Netz

Gewaltvideo schockt auf Facebook. Opfer wehrte sich nicht gegen Schläge ins Gesicht.

Auf Facebook erregen derzeit Filmaufnahmen einer Schlägerei die Gemüter. Fast zwei Millionen Mal wurde das Gewaltvideo am Sonntag innerhalb von 24 Stunden aufgerufen. Zu sehen ist eine Jugendliche, die von mehreren Mädchen und einem Burschen wiederholt ins Gesicht geschlagen wird.

Mittlerweile gibt es Neuigkeiten zu der Gewalttat

Das Opfer bleibt während der Tat – die sich in Kagran zugetragen haben soll – allerdings stoisch stehen und lässt die Schläge ohne Gegenwehr zu – ein Umstand, der die Ermittlungen der Polizei erschwert.

Auch als die Jugendliche Blut spuckt, schlagen die mutmaßlichen Täter weiter auf sie ein und ermutigen einander gegenseitig. Die Jugendliche richtet sich zwischendurch die Haare, bevor sie weitere harte Schläge ins Gesicht bekommt. "Passt eh alles", beschwichtigt sie zwischendurch die Situation.

"Die Mutter des Mädchens hat bereits am Donnerstag eine Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Wir müssen jetzt die genauen Umstände prüfen", erklärt Polizeisprecher Paul Eidenberger. Die Verdächtigen konnten ausgeforscht werden. Sie wurden im Internet wiederholt bedroht. Die Behörden haben die Löschung des Videos beantragt.

Aufnahmeritual?

Bei dem Besorgnis erregenden Vorfall könnte es sich um ein Aufnahmeritual einer Clique handeln, wird gemutmaßt. Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl: "Selten steht hinter so etwas genuine Boshaftigkeit. Man könnte sagen, es ist ein Überschuss an jugendlichem Leichtsinn, der in einer Gruppensituation besteht. Das ins Netz-Stellen ist Teil des Rituals."

Das Opfer soll einen doppelten Kieferbruch erlitten haben, postete aber am Samstag bereits wieder ein Selfie auf ihrem Facebook-Profil. Sie erhält Zuspruch von beinahe 2000 Nutzern und wird regelrecht als Heldin gefeiert. Kreissl, der das Video noch nicht gesehen hat, vermutet eine "Anerkennungsgeschichte. Ich bin ein Niemand, durch die Übernahme einer solchen Rolle bin ich dann jemand", erklärt er.