Chronik | Wien
16.09.2017

Jubiläum: Der Pannendienst kam mit 16 PS

50 Jahre Hilfe für liegengebliebene Autos – Hans Reichenauer war von Anfang an dabei.

"Ich hab mehr als zwei Millionen Kilometer am Buckel", erzählt Pannenhelfer Hans Reichenauer. Vor 50 Jahren war er einer der ersten Außendienstler des ABRÖ und damals mit einem Puch 500 unterwegs. "Das Gefährt hat 16 PS gehabt. Abschleppen hat man damit nicht gekonnt, darum haben wir bald einen Käfer mit 34 PS bekommen."

Als 22-Jähriger bewarb sich der Wiener 1967 als Helfer in der Not auf Wiens Straßen. Die Arbeitsuniform von damals erinnerte an die eines Polizisten, und auch das Ansehen, das die Pannenhelfer damals genossen, war ähnlich hoch: "Früher war man noch wer. Wenn wir gekommen sind, haben sich Schaulustige um uns herum versammelt, um unsere Werkzeuge zu sehen und zu schauen, wie wir die Autos reparieren", sagt der 72-Jährige. Nach getaner Arbeit sei dann hin und wieder eine Einladung zum Heurigen ausgesprochen worden. "Das war früher eben so. Aber Alkohol am Steuer geht nicht – damals wie heute."

Die meisten Probleme waren für Reichenauer und seine 37 Kollegen in ganz Österreich schnell vor Ort zu beheben. 50 Jahre später hat sich zwar der Personalstand mehr als verzehnfacht – derzeit sind 400 Pannenhelfer im ganzen Land im Einsatz – die Pannen sind aber die gleichen geblieben. "Die Top-drei-Gründe, warum wir gerufen werden, sind nach wie vor Probleme mit der Batterie, den Reifen und der Elektrik", sagt ARBÖ-Sprecher Sebastian Obrecht. Obwohl sich einige Dinge also anscheinend nie ändern, hat sich während der Dienstzeit von Hans Reichenauer sehr viel getan: "Das kann man nicht mit heute vergleichen. Heute sagt einem ja das Auto am Display, was nicht passt. Das haben wir alles selbst herausfinden müssen."

Keine Nacht-Tankstelle

Was sich in den letzten 50 Jahren am stärksten verändert hat, kann der Routinier einfach zusammenfassen: "Die Parkplatzsituation". Früher hätte man gar nicht daran gedacht, in Wien keinen Parkplatz zu finden. Außerdem habe es damals nur wenige Tankstellen gegeben, in der Nacht überhaupt keine.

Der 72-Jährige hat einen Führerschein aller Klassen. Seinen Lkw-Schein möchte er aber nicht noch einmal verlängern lassen: "Ich glaube, ich werde nicht mehr so oft einen Sattelschlepper fahren", schmunzelt Hans Reichenauer.

Gefährlich sei der Job auch heute noch. "Es hat früher keine gute Beleuchtung auf den Autobahnen gegeben. Andererseits sind die Lenker heute zu schnell unterwegs. Das liegt an den Autos. Da merkt man gar nicht, dass man mit 130 km/h fährt, weil alles leise ist und die Straßen gut sind."

Deshalb ist es dem erfahrenen Pannenhelfer ein Anliegen, den Lenkern etwas mit auf den Weg zu geben: "Man darf sich nicht überschätzen und soll bei langen Strecken unbedingt Pausen einlegen. Das hat mich 55 Jahre lang sicher überall hingebracht."