Josefstadt: Einziger städtischer Kindergarten steht halb leer
In der Josefstadt gibt es einen einzigen städtischen Kindergarten. Das Gebäude in der Josefstädter Straße sei aber nicht vollständig nutzbar, wie die Bezirks-Neos beklagen. Ein gesamtes Stockwerk stehe mittlerweile leer. „Die Baufälligkeit des Kindergartens ist kein Problem, das kurzfristig entstanden ist – es ist das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit und fehlender Prioritätensetzung seitens der Bezirksvorstehung“, sagt Julia Gremsl, Klubobfrau der Neos in der Josefstadt.
In den Stockwerken oberhalb des öffentlichen Kindergartens in der Josefstädter Straße befand sich früher ein Hort der Stadt Wien, erklärt man hingegen im Büro von Bezirksvorsteher Martin Fabisch (Grüne). Dieser sei im Juli 2023 geschlossen worden, erst seither stünden die oberen Stockwerke leer. „Als Bezirksvorsteher kämpfe ich seit vielen Jahren für eine Erweiterung des bestehenden Kindergartens und eine Nutzung der oberen Stockwerke“, sagt Fabisch.
Er habe sich dafür auch bereits bei der zuständigen Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) eingesetzt sowie bei ihrem Vorgänger Christoph Wiederkehr, denn „eine solche Erweiterung würde nicht nur den Kindern in der Josefstadt zugutekommen, sondern auch jenen aus benachbarten Bezirken: Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen innerhalb des Gürtels übersteigt das Angebot bei Weitem.“
Blumen statt Betreuung
Bei den Neos will man nicht gelten lassen, dass die Stadt dafür aufkommen muss, da die Instandhaltung von Kindergärten Bezirkskompetenz ist. „Während man den Kindergarten hat verfallen lassen, wurden erhebliche Summen in grüne Prestigeprojekte gesteckt“, so Julia Gremsl. Mit dem angesprochenen Prestigeprojekt ist die Umgestaltung des Matthias-Hauer-Platzes gemeint.
Dieser sei an und für sich ein gutes Projekt. Er sei aber nur ein „Nice-to-have“, ein sicherer und funktionierender Kindergarten hingegen sei ein klares „Must-have“, so Gremsl. Und weiter: „Wir sprechen uns daher gegen Millionenbaustellen im Bezirk aus, solange unser Kindergarten weiter verfällt. Denn ein Blumenbeet betreut leider keine Kinder.“
In der grünen Bezirksvorstehung sieht man das naturgemäß anders: „Eine Erweiterung des Kindergartens erfordert zwingend eine Modernisierung sowie Investitionen in den Brandschutz. Nach einer groben Kostenschätzung aus dem Jahr 2021 würde diese 13 Mio. Euro betragen – basierend auf dem gestiegenen Baupreisindex wäre heuer wohl mit mindestens 16 Mio. Euro zu rechnen“, heißt es in einem Statement.
Diese Kosten würden die Möglichkeiten des Bezirks um ein Vielfaches übersteigen. Das jährliche Budget liege bei etwa 3,5 Mio. Euro. „Das wissen auch die zuständigen Dienststellen der Stadt Wien und haben schon vor mehreren Jahren ein Kindergarten-Sanierungspaket in Aussicht gestellt“, sagt Fabisch. „Stadträtin Bettina Emmerling hat mir gegenüber ihr Bekenntnis dazu im Sommer 2025 bekräftigt. Bis heute warten wir auf dieses Sanierungspaket.“
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