Wien: Massenschlägerei mit 9 Verletzen nach Khamenei-Gedenken

Was als religiöse Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern begann, endete am Dienstagabend in einer handfesten Auseinandersetzung – mit neun Verletzten.
Auseinandersetzung mit neun Verletzten

Bereits am Nachmittag strömten Befürworter des iranischen Regimes am Dienstag nach Floridsdorf, um dort in einem islamischen Zentrum in der Floridsdorfer Richard-Neutra-Gasse den verstorbenen Iran-Führer Ayatollah Ali Khamenei zu betrauern. 

Zeitgleich formierte sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine ordnungsgemäß angezeigte Kundgebung, die sich gegen das Treffen richtete. Die Stimmung blieb zunächst angespannt, aber ruhig.

Gegen 20 Uhr war die Veranstaltung zu Ende, die Besucher verließen das Gebäude. Einige von ihnen versuchten dann aber, die Straße zu überqueren und zur Demo zu gelangen. Die Polizei stellte sich dazwischen und verhinderte ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Gruppen.

Bis 21 Uhr ebbte der Abstrom der Teilnehmer ab, auch die Demonstration löste sich zunehmend auf. Um 21.30 Uhr wurde der Einsatz offiziell beendet. Nur noch wenige Personen räumten Transparente und Gegenstände weg – scheinbar war die Lage unter Kontrolle.

"Die Einsatzkräfte waren bereits abgezogen, da gingen Minuten später mehrere Notrufe ein", sagte Markus Dittrich, Sprecher der Wiener Polizei. Gegen 22 Uhr hatten sich erneut rund 70 Personen vor dem islamischen Zentrum versammelt – und diesmal flogen nicht nur Worte.

Stöcke und Holzlatten eingesetzt

Nach Angaben der Polizei kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der auch Stöcke und Holzlatten eingesetzt wurden. Beamte des Stadtpolizeikommandos Floridsdorf sowie Spezialkräfte der WEGA rückten aus und brachten die Situation rasch unter Kontrolle. Ermittlungen ergaben, dass sowohl Teilnehmer der religiösen Veranstaltung als auch der vorherigen Kundgebung an den Ort zurückgekehrt waren – mit fatalen Folgen.

Bei den Beteiligten der Auseinandersetzung soll es sich laut Polizei vorwiegend um iranischstämmige Männer sowie auch einige Männer afghanischer Abstammung handeln. Ermittlungen wegen des Raufhandels seien bereits in Gange, hieß es. Die Verdächtigen ergriffen daraufhin die Flucht.

Festnahmen und Anzeigen

Bereits im Laufe des ursprünglichen Einsatzes waren zwei Personen festgenommen worden: Eine wegen des Verdachts auf versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt, eine weitere wegen aggressiven Verhaltens. Zusätzlich wurde eine Person wegen gefährlicher Drohung angezeigt, 19 weitere Anzeigen betrafen verkehrsrechtliche Delikte.

Nach der nächtlichen Eskalation ist die Bilanz ernüchternd: Neun Verletzte mussten von der Berufsrettung Wien notfallmedizinisch versorgt werden, sieben von ihnen wurden in ein Spital gebracht.

"Bin nicht glücklich über das Zentrum"

Auch die FPÖ Floridsdorf war am Dienstagabend dabei, als die Männer aufeinander losgingen. „Ich verstehe nicht, dass derartige Kundgebungen  bei uns stattfinden können und Stadtregierung und Innenminister da wegschauen“, kritisiert Karl Mareda, FPÖ-Chef in Floridsdorf.  

Auf die Ereignisse von Dienstagabend angesprochen, heißt es von Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ), dass er über das Zentrum selbst nicht glücklich sei. „Alle müssen sich an die in unserer Stadt geltende Hausordnung halten. Dass die Islamische Republik Iran das Grundstück seinerzeit gekauft hat, war nur durch die Zustimmung der seinerzeitigen FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl möglich.“

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