Kollegium Kalksburg

© Bernert Martin

Lokalaugenschein
03/15/2013

"Ich hätte gewettet, dass es keiner der Unsrigen wird"

Auch in der von Jesuiten gegründeten Elite-Schule Kollegium Kalksburg war die Überraschung über Bergoglios Wahl groß.

von Martin Bernert

Im Kollegium Kalksburg im Süden von Wien war der neue Papst am Donnerstag Thema im Unterricht, nicht nur in Religion. Kein Wunder, wurde das Bildungszentrum mit Volksschule und Gymnasium doch von Jesuiten gegründet.

„Wir haben ausführlich über Franziskus geredet, mit den Lehrern und untereinander“, erzählt Nini Lugner aus der achten Klasse. Auch für sie war die Wahl eines Jesuiten zum Pontifex überraschend: „Die Jesuiten waren oft eigenwillig und bei den Päpsten nicht sehr beliebt“, sagt die 18-Jährige.

Schulsprecher Gregor Hübl ist gespannt, welchen Kurs der neue Papst einschlagen wird: „Die Kirche sollte sich mehr sozial engagieren, Franziskus könnte zum Papst der Armen werden“.

Schulerhalter des Kollegiums ist seit den 1990ern nicht mehr der Jesuitenorden selbst, sondern die Vereinigung der österreichischen Ordensschulen. „Die Spiritualität der Jesuiten wollen wir aber erhalten“, sagt Direktor Michael Dobeŝ. Heute sind in Kalksburg noch zwei Jesuiten tätig: der Schul-Seelsorger und ein Religionslehrer.

Letzterer ist neu im Lehrer-Team des Schulzentrums: Der Tiroler Hans Brandl, 40, unterrichtet seit Beginn des Schuljahrs im Kollegium Kalksburg. Wie die meisten Experten hatte auch er nicht mit der Wahl Jorge Mario Bergoglios gerechnet: „Das ist eine Riesenüberraschung. Ich hätte gewettet, dass es keiner der Unsrigen wird.“

Info per SMS

Den ersten Auftritt des ersten jesuitischen Pontifex der Kirchengeschichte erlebte Pater Brandl nicht live mit: „Als nach der Abendmesse alle Glocken der Stadt läuteten, wusste ich, wir haben einen Papst.“ Da der Name des Pontifex in den Abendnachrichten noch nicht bekannt war, setzte sich Brandl an seinen Schreibtisch, um zu arbeiten. „Informiert wurde ich dann per SMS“ – nicht von Mitbrüdern, sondern von Freunden. Mittlerweile konnte er sich auch mit anderen Ordensbrüdern austauschen. Ihre Reaktion war ähnlich wie seine eigene: „Erfreut, aber jesuitisch nüchtern.“

Vor dem Konklave wusste der Tiroler Jesuitenpater nicht viel über seinen argentinischen Mitbruder: „Ich habe gehört, dass es in Buenos Aires einen als papabile geltenden Kardinal gibt, dem vorgeworfen wird, während der argentinischen Militärdiktatur zwei Mitbrüder verraten zu haben.“ Mehr weiß Brandl über die Causa nicht, „außer, dass Bergoglio die Vorwürfe zurück gewiesen hat“.

Die Überraschung über den jesuitischen Papst liegt nicht zuletzt in den Regeln des Ordens: „Unsere Satzungen untersagen uns, höhere kirchliche Ämter anzustreben.“ Nachsatz: Wenn der Ruf ertönt, soll aber auch ein Jesuit eine Ernennung „gehorsam annehmen“.

Lokalaugenschein in Kalksburg

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