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Chronik Wien
06/04/2019

HTL Ottakring: Vier Schüler ausgeschlossen, Direktor entlastet

Bildungsdirektor Heinrich Himmer zieht Konsequenzen: Ausschlüsse von Schülern bestätigt, "pädagogische Eignung des Lehrers nicht gegeben."

von Michael Pekovics, Markus Strohmayer

Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer hat am Dienstag die disziplinarischen Konsequenzen nach den Vorkommnissen an der HTL Ottakring präsentiert. Der verwickelte Lehrer wird nicht mehr an der Schule unterrichten. Eine unabhängige Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass „die pädagogische Eignung nicht gegeben ist“. 

Zur Erinnerung: Anfang Mai tauchte ein Video auf, in dem der Eindruck entsteht, ein Lehrer würde einem Schüler ins Gesicht spucken. Der Pädagoge wurde davor – ebenfalls im Video sichtbar – von dem körperlich überlegenen Schüler bedrängt und nach der Spuckattacke kräftig gegen die Tafel gestoßen. 

Folgen hat dieses Video nun auch für vier Schüler, deren Schulverweis von  der Bildungsdirektion bestätigt wurde.  „Die HTL Ottakring beantragte den Ausschluss von sechs Schülern, unsere Juristen haben jeden Fall geprüft und in vier Fällen zugestimmt“, erklärt Himmer. Bei den Schülern, die jetzt die Schule verlassen müssen, handelt es sich um jene, die im Video gewalttätig waren. Die Bildungsdirektion sei sich ihrer Verantwortung gegenüber dieser Schüler jedoch bewusst. Man habe Termine vereinbart, um alternative Ausbildungswege zu besprechen.

Bildungsdirektion stellt sich hinter den Direktor

Der Direktor der HTL Ottakring sagte nach dem Vorfall zum KURIER, dass der Lehrer überfordert gewesen sei, ihm aber mehrfach Hilfe angeboten wurde. Der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission bestätigt diese Version. Seitens Schulleitung sei „kein schuldhaftes Verhalten“ festzustellen. Vielmehr wurde von der Bildungsdirektion das „rasche Handeln, die Suche des persönlichen Gesprächs und Aussprache von Ermahnungen“ ausdrücklich gelobt. 

Verbesserungsbedarf sieht Himmer hingegen im eigenen Bereich. Denn aus der HTL Ottakring soll schon im Oktober des Vorjahres, also zu Beginn  des laufenden Schuljahres, die Meldung gekommen sein, dass der betroffene Lehrer Probleme habe. Daraufhin entsandte die Bildungsdirektion eine Qualitätsmanagerin, die den Quereinsteiger in die Klasse begleitete und ihm Tipps gab. „Damals wirkte die Situation reparabel, es hätte aber  später noch eine Überprüfung durch einen Dienstrechtsjuristen geben müssen“, befindet Himmer.

Diese fand nicht statt, die Situation eskalierte. Weitere Videos zeigten etwa, wie dem Mann mit einer Trillerpfeife ins Ohr gepfiffen wird, er eine Papierkugel an den Kopf  geschossen bekommt oder ein Schüler sich im Unterricht eine Zigarette anzündet.

Traumatisierte Pädagogen in Wiens Schulklassen sind für Himmer  jedenfalls keine Option. Daher soll es künftig möglich sein, Dienstverträge mit überforderten Lehrkräften rascher aufzulösen. Im Falle des Lehrers an der HTL Ottakring wird das nicht mehr nötig sein. Sein befristeter Vertrag läuft Ende des Schuljahres aus und wird nicht verlängert.

Das soll in Zukunft besser werden

Für zukünftige Fälle hat Himmer allerdings folgenden Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Einführung einer dreimonatigen Probephase für Lehrkräfte, wie auch in anderen Branchen üblich. Das muss allerdings noch mit der Personalvertretung besprochen werden.

  • Die Möglichkeit zur Kündigung von befristeten Verträgen, um in entsprechenden Fällen das Dienstverhältnis rasch beenden zu können.

  • Die Reaktionsabläufe der Behörden sollen geschärft werden, eine Checkliste für den Umgang mit ähnlichen Krisensituationen soll allen Schulen zur Verfügung gestellt werden.

  • Bereits in der Lehrerausbildung soll noch stärker als bisher ein Bewusstsein für schulrechtliche Grundlagen vorgenommen werden.