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Chronik Wien
05/13/2019

167 Schulsuspendierungen in Wien allein im ersten Semester

Am Freitag wurden in der HTL Ottakring zahlreiche Schüler suspendiert oder der Schule verwiesen. Österreichweit sind es jedes Jahr hunderte.

von Markus Strohmayer

Der Lehrer sei zu weit gegangen, ungeeignet und überfordert gewesen, hieß es vom Ottakringer HTL-Direktor, als ein Video in den Sozialen Medien auftauchte, in dem einer seiner Lehrer einen Schüler anspuckte.

Seitdem sind zahlreiche weitere Videos an die Öffentlichkeit gelangt. Diese erwecken den Eindruck, der Lehrer wäre systematisch von seinen Schülern gemobbt worden. Darin ist etwa zu sehen, wie sie ihn bedrängen oder mit einer Trillerpfeife ins sein Ohr pfeifen.

HTL Ottakring

Für die Schüler hatte dieses Verhalten vergangenen Freitag Konsequenzen. Die Schule beantrage den Ausschluss von sechs Schülern, drei weiteren werde dies angedroht, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum" am Sonntagabend.

Kein Einzelfall: 167 Suspendierungen in Wien

Nicht nur wurden seit der "Spuckattacke" zahlreiche weitere Videos geteilt, in denen Lehrer schikaniert werden. Auch aktuelle Erhebungen aus den Bundesländern deuten auf ein tieferliegendes Problem hin. Neuste Zahlen, die dem KURIER vorliegen, zeigen, dass jährlich einige hundert Schüler in ganz Österreich suspendiert werden.

Bei einer Suspendierung handelt es sich um eine Vorstufe des Schulausschlusses. Bis zu vier Wochen können Schüler so vom Unterricht "gesperrt" werden. Zu dieser Maßnahme sollte es bei "Gefahr in Verzug" kommen. Ein Ausschluss folgt bei unter anderem dann, wenn das Verhalten eines Schülers eine dauerhafte Gefährdung von Mitschülern oder Schulpersonal darstellt. 

Faßmann hätte sich im konkreten Fall in Ottakring früher eine solche Vorgehensweise gewünscht. Insgesamt wurden in Wien alleine im ersten Semester des laufenden Schuljahres 167 Kinder und Jugendliche suspendiert. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es über das ganze Jahr gesehen 278.

Am häufigsten betroffen waren bei der aktuellen Erhebung die Neuen Mittelschulen (79). Verblüffend oft waren zudem Volksschulen betroffen (36). Nur sieben Mädchen und junge Frauen wurden suspendiert, während 160 männlichen Schülern vorübergehend der Schulbesuch untersagt wurde.

Im Ländervergleich liegt Wien damit derzeit klar an der Spitze. Niederösterreich kommt im selben Zeitraum auf 90 Suspendierungen. In der Steiermark gab es von September 2018 bis Februar 2019 17 und im Burgenland 11 Suspendierungen. Die Zahlen aus anderen Bundesländern sind noch nicht bekannt.