Chronik | Wien
27.05.2017

Hotspot U6: "Lage hat sich kaum verändert"

Trotz Gesetzesänderung wird bei der Linie weiter gedealt, wenn auch nicht so ungeniert.

Es ist ein bekanntes Bild, das sich bei der U6 entlang der Stadtbahnbögen bietet: Alle paar Meter steht ein Mann oder eine ganze Gruppe. Sie bieten den Vorbeikommenden Drogen an. Wenn die Polizei vorfährt, haben sie es sehr eilig, davonzukommen. Es ist ein sich wiederholendes Spiel.

Seit der Gesetzesänderung – für Dealen im öffentlichen Raum drohen nun bis zu zwei Jahre Haft – "wird nicht mehr völlig ungeniert öffentlich gedealt", sagt Polizeisprecher Thomas Keiblinger. "Verschwunden ist das Problem aber natürlich nicht." Die Gegenden rund um die U6 bei der Josefstädter Straße, Thaliastraße und Gumpendorfer Straße bleiben Hotspots. Jetzt wo die Temperaturen zum Draußensein einladen, wird das Problem auch wieder stärker, wie ein Lokalaugenschein zeigt.

Hotspots bleiben

"Man merkt es gleich. Jetzt ist es wieder schöner, jetzt ist wieder mehr los hier", sagt ein Würstelverkäufer bei der Thaliastraße. Er kennt manche der Dealer, sie kaufen öfters ein Bier bei ihm. Auch an diesem Abend begrüßen sie sich per Handschlag. "Je später am Abend und je wärmer es draußen wird, desto mehr ist wieder los", bestätigt auch die Verkäuferin im gegenüberliegenden Stand.

"Es werden ständig Leute verhaftet, aber es kommen immer neue nach. Das ist ein Wahnsinn", sagt der Barmann im Lokal Fania. "Die Gruppen streiten viel untereinander, da geht es manchmal ganz schön zu", erzählt er weiter. Der Barmann von der Cocobar fürchtet sich, dass das Problem wieder so grassierend wird wie im Vorjahr: "Es hat unser Geschäft total beeinträchtigt. Niemand wollte im Garten sitzen." Erst am Donnerstag wurden wieder vier Personen festgenommen. Bei den Tatverdächtigen wurden Kokain, Cannabis und Bargeld sichergestellt. "Es gibt keinen Tag ohne Festnahme", sagt Polizeisprecher Harald Sörös. "Die Lage hat sich kaum verändert. Die Dealer kommen jetzt leichter in U-Haft. Das heißt aber nicht, dass weniger gedealt wird." Die Polizei ist zivil und uniformiert präsent und beobachtet die Szene. Abseits der U6 bleibt der Praterstern ein Hotspot sowie der Westbahnhof und die Längenfeldgasse beim Migazziplatz.