Parlament hinterließ kaputte Redoutensäle in der Hofburg

Seit drei Jahren stehen die Säle leer. Davor logierte das Parlament provisorisch dort, baute um – und hinterließ Löcher in der denkmalgeschützten Wand erfuhr der KURIER aus Insider-Kreisen. Beim Bund fehlt für die Sanierung Geld und Personal.
Großer Redoutensaal Hofburg Wien

Vor ein paar Jahren wurde noch unter der Glaskuppel des Dachfoyers der Hofburg gelacht und getrunken, in den barocken Redoutensälen getanzt – jetzt herrscht dort Stille. Seit drei Jahren sind die drei Säle mittlerweile gesperrt und verfallen langsam vor sich hin. 

Grund für die Sperre sind ausstehende Sanierungsarbeiten. Diese wurden nötig, nachdem das Parlament von 2017 bis 2023 in den Redoutensälen  provisorisch logierte. Denn zu der Zeit wurde das Parlamentsgebäude am Ring renoviert. Nach dem Auszug der Abgeordneten konnte der Betrieb der Säle jedoch nicht wieder aufgenommen werden. Tanzveranstaltungen und Kongresse gehören seitdem der Vergangenheit an. 

Beschädigte Innenfassade

Aus Insider-Kreisen erfuhr der KURIER, dass die Säle für den parlamentarischen Betrieb umgebaut wurden. Anstatt prunkvoller Goldverzierungen und Gemälde sollen an der Innenfassade nun Löcher mit einem Durchmesser von drei Metern die Wände zieren. „Es wurden Löcher in Wände geschlagen, um Träger für die Empore zu fixieren“, ist zu hören. Selbst betreten konnte der KURIER die Säle aufgrund der enormen Schäden nicht. 

Zusätzlich zur Innenfassade müsse außerdem die komplette Haustechnik erneuert werden. Auch die Fluchtwege müssten aktualisiert und Einrichtung teilweise an Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen angepasst werden. 

Vom Denkmalamt genehmigt wurden die Veränderungen, die  in der Zeit durchgeführt wurden, als die Redoutensäle als Ausweichquartier für das Parlament genutzt wurden, heißt es aus dem Denkmalamt, das dem Kulturministerium untersteht.  „Für den Großen Redoutensaal wurde das im Vorfeld mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt und mit Bescheid vom 14. März 2017 denkmalbehördlich genehmigt.“ Verantwortlich war damals Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ).

Der Denkmalschutz wurde also eingehalten. Aber: Im Vertrag mit dem Parlament über die Nutzung der Redoutensäle wurde die Bedingung aufgestellt, dass die Räumlichkeiten nach dem Auszug der Abgeordneten renoviert werden mussten, wie der KURIER erfahren hat. Das Parlament stimmte dem zu, umgesetzt wurde es bis heute nicht.

Aber selbst ohne vertragliche Vereinbarung wäre der Bund zuständig für die Sanierung. Denn Eigentümer ist die Burghauptmannschaft Österreich, die dem Wirtschaftsministerium unter Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) unterstellt ist. Das „Wiener Kongresszentrum Hofburg“ ist lediglich Pächter der Säle.

20 Millionen entgehen

Und umso länger die Säle leer stehen, umso teurer wird die Sanierung. Laut derzeitigen Schätzungen belaufe sich die Summe bereits jetzt auf 40 bis 60 Millionen Euro.  „Jedes Jahr, in dem diese Säle leer stehen, steigt der Bedarf an Renovierung und an Kosten“, heißt es gegenüber dem KURIER. Keine geringe Summe, aber von mehreren Seiten aus der Kultur- und Tourismusbranche hört man, dass es sich auszahlen würde. Denn durch die Nichtnutzung der Säle sollen dem Land rund 20 Millionen Euro an Wertschöpfung entgehen.

Der Bundesregierung sei das angeblich bekannt. Ein Konzept für eine etwaige Renovierung gibt es bis dato trotzdem nicht. Das bestätigte auch das Bundesdenkmalamt. „Es ist uns bekannt, dass es Überlegungen gibt, konkrete Pläne oder Zeitangaben seitens der Burghauptmannschaft wurden uns noch nicht mitgeteilt“, sagt das Bundesdenkmalamt. Für erneute Bauarbeiten bedürfe es wieder einer Genehmigung. Dieses Bewilligungsverfahren würde rund sechs Monate dauern. 

Erst im Jänner teilte die Burghauptmannschaft dem KURIER  mit, „Vorbereitungen“ für eine Bestandsaufnahme  treffen zu wollen. Seit drei Jahren fehle es dort aber an Personal und Geld.

Großer Ärger 

Ob eine Sanierung bald stattfinden könnte, bleibt bis dato unklar. Sicher ist aber, dass die gesperrten Säle für reichlich Ärger an mehreren Ecken sorgen. Denn derzeit fehlen rund 1.300 Quadratmeter Nutzungsfläche, die bis 2017 vermietet werden konnten und weiterhin gefragt bleiben. 

Vor allem Ballbetreiber bräuchten diesen zusätzlichen Platz, um mehr Karten verkaufen zu können. Aber  auch das Kongresswesen leidet. „Viele internationale Unternehmen wollen die Säle zurück, und drohen zu gehen, wenn sie diese nicht bald wieder buchen können“, wurde dem KURIER erzählt.  Mehrere Personen bestätigen diese Befürchtung, Auswirkungen würden sich bereits jetzt abzeichnen.

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