Chronik | Wien 05.12.2011

Hitzewelle beschert Badevergnügen

© Bild: KURIER/Christandl Juerg

Wiens Freibäder werden durch die Hitzewelle regelrecht gestürmt. Für die Bademeister bringt das besonders viel Verantwortung.

Von wegen Hitzefrei. Wenn die Sonne am Mittwoch mit 37 Grad vom Himmel brennt, muss Peter Schnaubelt in seiner Arbeit besonders konzentriert sein. Denn wenn die Wiener gemütlich im Wasser planschen, muss der 49-Jährige bei brütender Hitze mit aller Wachsamkeit für ihre Sicherheit sorgen.

Schnaubelt ist seit fünf Jahren Sanitäter und Bademeister in Wiens größtem Freibad, dem Gänsehäufel. Zu tun hat er in diesen Tagen genug. "Seit Mai haben wir alleine im Gänsehäufel elf Kinder aus dem Wasser gezogen", sagt der Sanitäter, der früher beim Roten Kreuz gearbeitet hat. Ob er auch reanimieren musste? "Ein guter Bademeister sieht das rechtzeitig", sagt er und lächelt: "Aber im Ernst. Man muss wirklich voll konzentriert am Becken stehen, es kann so schnell etwas passieren."

Besonders gefährlich wären laut dem erfahrenen Bademeister Nichtschwimmer ohne Schwimmflügel. "Man muss die Schwimmflügel anlegen, sobald das Kind in Beckennähe ist. Eine Sekunde nicht hinsehen, kann sonst zur Katastrophe führen", sagt er. Doch nicht nur Eltern, auch Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen wären in diesem Punkt oft sehr nachsichtig.

Notfall

Insgesamt 25 Bademeister, darunter zwei Sanitäter, versuchen im Gänsehäufel die Nachsichtigkeit vieler Eltern auszugleichen. Am meisten zu tun haben sie jedoch mit Kreislaufproblemen und Bienenstichen ihrer Gäste. "Besonders häufig brechen Mädchen unter 15 Jahren zusammen", sagt der Badebetriebsmeister Robert Swoboda, der für den Fall der Fälle auf die vorhandenen Notfallkammern und Notfallkoffer verweist. "90 Prozent unserer Mitarbeiter haben eine Erste-Hilfe-Ausbildung, auch die Putzfrauen können im Notfall reanimieren", sagt Swoboda.

Sicherheit

Das umfangreiche Sicherheitsservice wissen auch die Gäste in Wiens größtem Freibad zu schätzen. "Ich gehe mit meinen Enkelkindern gerne ins Gänsehäufel. Die Bademeister sind sehr aufmerksam und so fühlt man sich mit den Kindern einfach sicher", sagt die Pensionistin Maria Grelinger. Ihre Enkel Max, 11, und Moritz, 7, stürmen derweil schon wieder auf die Rutsche des Erlebnisbeckens. Die Schwimmflügel für den Kleineren hat Maria Grelinger in der Hand. "Ich lasse ihn keine Sekunde aus den Augen, obwohl er schon ganz gut schwimmen kann", sagt sie. Aber auch sie weiß: "Man muss aufmerksam sein, es kann so schnell passieren."

Nichtschwimmer

24.000 Besucher hat das Wiener Gänsehäufel am vergangenen Wochenende gezählt. Insgesamt 25 Bademeister wachen dort über die Sicherheit der Gäste – auch heute, Mittwoch, dem bisher heißesten Tag des Jahres
© Bild: KURIER/Christandl Juerg

Bademeister Schnaubelt dreht unterdessen seine Kreise am Beckenrand des Erlebnisbeckens. Über die Nachsichtigkeit mancher Eltern kann er sich nur wundern: "Es reicht schon, wenn der Ball in den Nichtschwimmerbereich fällt. So ein Kind hat ja keine Angst und springt sofort nach. Ohne Schwimmflügel kann das tödlich enden." Und noch eines weiß der gestandene Bademeister aus Erfahrung: "Auf andere Badegäste ist kein Verlass. Ich habe es schon oft gesehen, dass ein Kind untergeht und der Erwachsene daneben rührt keinen Finger."
Bei jedem Zwischenfall mit Kindern - auch das weiß Schnaubelt - muss man "psychologisch nachbetreuen". "Ich erkläre den Kindern spielerisch, was da passiert ist und wie man das in Zukunft verhindern kann." Denn eines will Schnaubelt in jedem Fall verhindern: "Angst vor dem Wasser sollen sie nicht bekommen."

Erstellt am 05.12.2011