Der Gastgarten des „Maria Magdalena“ in Graz ist im Winter offen.

© KURIER/Elmar Gubisch

Schanigärten
12/06/2014

Heizschwammerl wird zum Spaltpilz

Öffnung im Winter würde zu einem Wildwuchs der Heizstrahler führen, warnen die Grünen.

von Elisabeth Holzer

Nach dem Christkindlmarkt auf eine gepflegte Melange in der frischen Schanigarten-Luft. Das könnte in Wien bald Realität werden. Die Wirtschaftskammer hat ihre Mitglieder befragt, ob Lokalbetreibern künftig erlaubt werden soll, ihre Gastgärten auch außerhalb der Sommersaison aufzusperren. Das Ergebnis wird am 9. Dezember bekannt gegeben.

Derzeit dürfen Schanigärten nur zwischen 1. März und 30. November aufgestellt werden. Ausgenommen sind nur Märkte wie etwa der Naschmarkt.

Doch die mögliche Liberalisierung stößt auf Widerstand: Die Grünen im 1. Bezirk befürchten einen Wildwuchs an Heizstrahlern in den winterlichen Gastgärten. "Einerseits zahlen wir CO2-Zertifikate für die Industrie, andererseits sollen hier enorme Mengen an Energie verpulvert werden", sagt Vize-Klubchefin Patricia Davis.

Sie veranschaulicht das Problem am Beispiel eines Schanigartens am Graben, der jetzt schon 32 Elektro-Heizstrahler betreibt. "Das entspricht bei zehn Stunden Betrieb 640 kWh pro Tag und damit dem durchschnittlichen Tagesstromverbrauch von 50 Haushalten." Davis fordert eine Gebrauchsabgabe für Heizstrahler, damit sich deren Verwendung nur noch beschränkt rentiert.

Ein weiterer heikler Punkt: "Was passiert an Schanigarten-Standorten, die derzeit im Winter für Weihnachtsmärkte genutzt werden?" In manchen Bezirken würde die Liberalisierung der Öffnungszeiten durchaus Sinn machen, doch gerade in der City würde sie die Kommerzialisierung des knappen öffentlichen Raums noch weiter vorantreiben.

Ähnlich argumentiert auch die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou: Sie ist für die Winter-Öffnung der Schanigärten. "Gleichzeitig sind wir gegen den Einsatz von Heizpilzen." Man will aber kein Verbot, sondern ebenfalls Lenkungsmaßnahmen.

Berndt Querfeld, Obmann der Wirtschaftskammer-Fachgruppe Kaffeehäuser, versucht, die Bedenkenzu zerstreuen: "Natürlich ist das ein heikles Thema, über das man diskutieren kann – genauso wie etwa über den Energieverbrauch der Weihnachtsbeleuchtung." Und zu den möglichen Interessenskonflikt mit den Weihnachtsmärkten: "Sie sollen gegenüber Gastgärten Vorrang haben." Schanigärten sollen zudem nur tagsüber aufgestellt werden dürfen.

Dem Chef des Café Landtmann geht es vor allem um eines: "Jedes Jahr gibt es im Winter Schönwetter-Perioden. Warum soll man dann keinen Tisch im Freien aufstellen können? In anderen Städten ist das auch möglich."

Graz

Wie etwa in Graz: In Dirk Jubkes Gastgarten ist es ziemlich warm. Zwölf Heizstrahler hat der Wirt des "Maria Magdalena" aufgestellt. Der Außenbereich seines Lokals ist ganzjährig offen. "Bei uns wird das sehr gut angenommen. Vor Kurzem waren Gäste da, die haben um 21 Uhr noch draußen essen wollen."

Seit knapp zwei Jahren ist es möglich, die Schanigarten-Saison zu verlängern. "Es ist erlaubt, solange es nicht Verkehrsmaßnahmen oder dem Grazer Advent behindert", heißt es aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Mario Eustacchio, FPÖ.

Zuvor wurde die Debatte über die Winter-Gastgärten ähnlich heiß geführt wie jetzt in Wien. Anlass waren auch in Graz die Heizschwammerln: Das Umweltamt hatte Bedenken wegen des hohen Energieverbrauchs. In der Wintersaison 2010 etwa gab es keine Erlaubnis vom Stadtsenat, Gastgärten auf öffentlichem Grund aufzustellen. Damals noch unter Ressortzuständigkeit der Grünen gab es 2011 sogar Versuch, die Heizstrahler modisch zu ersetzen: Ein eigener "Grazfleck", eine Art Poncho, aus dickem Loden sollte die Gäste wärmen.

Derlei Ideen sind mittlerweile abgehakt. Rund ein Dutzend Wirte hat auch im Winter offen. Dirk Jubke ist überzeugt, dass sich das Angebot rechne, weil die Gäste eben gerne im Freien sitzen, solange es nicht in Strömen regne. "Die Stromkosten gehen natürlich in die Höhe. Wenn wir alle zwölf Strahler zugleich einschalten würden, kostet das 50 Euro pro Stunde."

Ergebnisse der Urbefragung werden am Dienstag vorliegen

Am Freitag endete die „Urbefragung“ in der Wirtschaftskammer. Wiens Unternehmer durften ihre Meinung zu kontroversen Themen wie etwa Schanigärten (siehe Hauptartikel) oder Tourismuszonen äußern.

Vor allem das Resultat in Sachen Tourismuszonen (und der damit einhergehenden Sonntagsöffnung) wird mit Spannung erwartet. Diskutiert wird derzeit, eine derartige Zone in der Innenstadt einzurichten. Die entsprechende Verordnung müsste von Bürgermeister Michael Häupl kommen. Dieser hat stets betont, dass er sich dem Ansinnen nicht verschließen werde, sollte die Befragung eine Zustimmung bringen. Allerdings sei auch eine Sozialpartnereinigung Voraussetzung. Hier könnte es sich spießen, denn die Gewerkschaft hat zuletzt klargemacht, dass sie gegen eine Ausweitung der geltenden Regelung ist.

Ein weiterer Punkt bei der Befragung: Soll sich die Kammer zur „Entlastung der Selbstständigen“ für eine zehnprozentige Senkung der SVA-Krankenversicherungsbeiträge einsetzen?

Insgesamt waren etwa 100.000 Unternehmer aufgerufen, sich zu beteiligen. Rund 12.000 Stimmzettel sind eingelangt. Das Ergebnis wird am Dienstag vorliegen.

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