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Chronik Wien
09/05/2019

"Hängende Gärten": Pflanzen umranken nun Haus des Meeres

Ein 35 Meter hoher vertikaler Garten schützt auch vor abbröckelndem Beton. Bis zu 15 Prozent Mehrkosten bei Zubau

Hängende Gärten für das Haus des Meeres: Der Aqua‐Terra‐Zoo in Wien ist um eine Attraktion reichen ‐ und sie hat nichts mit Tieren zu tun.

Eine Fassade des früheren Flakturms ziert nun eine überdimensionale Pflanzenwand. Wuchern die 8.500 Setzlinge wie gewünscht, wird bald ein 400 Quadratmeter großer grüner Teppich die jetzt noch durchblitzenden Blumenkistchen komplett verdecken.

Die vertikale Vegetation erstreckt sich über 35 Meter in die Höhe.

Für die Begrünung wurden Hunderte Metallwannen mit einer Gesamtlänge von 1.600 Metern an die ‐ in Richtung Schadekgasse blickende ‐ Betonmauer des Kriegsrelikts montiert. Damit das Grün nicht irgendwann zu einem Braun wird, wie kürzlich an der Fassade der MA 48 geschehen, werde die automatische Bewässerungsanlage täglich überprüft, sagte Geschäftsführer Hans Köppen am Donnerstag bei der Eröffnung.

Noch mehr Silber als Grün

Bei der Präsentation war von den Pflanzen selbst noch nicht allzu viel zu sehen, die silbrig blitzenden Tröge waren noch dominant. Das soll spätestens im kommenden Jahr anders sein.

Bei dem Projekt geht es aber nicht nur um Ästhetik und mehr Begrünung für das Grätzel im Bezirk Mariahilf. Franz Six, Stiftungsvorstand des Haus des Meeres, verwies heute auch auf Sicherheitsaspekte: „Der Turm ist 75 Jahre alt. Durch die Witterung ist immer wieder einmal Beton runtergebröselt. Nicht umsonst sind alle anderen Flaktürme in Wien eingezäunt.“

Alle drei anderen Fassaden sind bereits seit längerer Zeit verbaut und dadurch von herabfallenden Betonstückchen geschützt.

Neuer Glaszubau

Derzeit wird noch an der Außenseite Richtung Fritz‐Grünbaum‐Platz ‐ also der Eingangsseite ‐ heftig gewerkt. Grund dafür ist ein markanter Glaszubau, der seit Monaten entsteht.

Dieser bringt dem Zoo 3.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche. Neben mehr Platz für die Tiere werden auch zwei neue Lifte ‐ einer davon als Panoramaaufzug ‐ errichtet sowie das Dach‐Cafe zu einem Restaurant vergrößert. Die jetzige Aussichtsterrasse mit den Betonausbuchtungen wird eingehaust und zu einer „Australienanlage“ samt Zwergkängurus umgestaltet.

Schiefer Flagturm

Eigentlich hätten die Außenarbeiten am Zubau schon Ende Mai fertig sein sollen. Tatsächlich wird man die Baustelle erst in drei bis vier Wochen räumen können, sagte Köppen. Es hätten sich einige unerwartete Probleme gezeigt.

„Der Flakturm ist oben schief“, nannte der Geschäftsführer ein Beispiel. Auch in Sachen Brandschutz und Behördeneinreichungen habe es noch Änderungen bedurft. Köppen hofft allerdings, dass die Verzögerung noch eingeholt werden kann. Die Gesamteröffnung ist jedenfalls für das Frühjahr 2020 geplant. Schon länger bekannt war, dass die budgetierte Investitionssumme von 16 Millionen Euro nicht halten würde, ohne aber die Zusatzkosten zu beziffern.

Sechsstelliger Betrag

Köppen sagte heute, man werde wohl um zehn bis 15 Prozent darüber liegen. Von den Banken gebe es die Zusicherung, Kredite nötigenfalls aufzustocken. Was die Kosten für die „Grüne Wand“ anbelangt, wurden keine konkreten Zahlen genannt. Das sei mit dem beauftragten Unternehmen so vereinbart, hieß es. Sascha Haas von den „Stadtbegrünern“, die das Projekt durchführen, ließ dann doch durchblicken, dass offenbar ein beträchtlicher Rabatt gewährt wurde: „Die Hose war ganz unten.“ Die Rede war von einem sechsstelligen Betrag.