Chronik | Wien 16.05.2018

Hackerangriff auf Unternehmen: "Arbeit von zehn Jahren weg"

© Bild: Wiener Städtische/SEC Consult

Die Wiener Städtische Versicherung veranstaltete einen Live-Hack in einem Wiener Betrieb.

Wie einfach kleine und mittelständische Unternehmen Zielscheiben von Cybercrime-Attacken werden, zeigte die Wiener Städtische bei einem Live-Hacking-Event. Der Tatort: ein mittelständischer Betrieb im 22. Bezirk. Das Szenario: Ein Konkurrent, der den Mitbewerber schwächen will.  

IT-Experte Fabian Mittermair von SEC Consult zeigt, wie einfach man einen Zugang für das Darknet erhält. Für eine sichere Verbindung wird das anonyme Netzwerk Tor verwendet, das bei uns nicht einmal strafbar ist. Auf den diversen Seiten werden unterschiedliche Dienstleistungen angeboten. Selbst ein österreichischer Reisepass (7000 Euro) sowie ein deutscher Ausweis (10 Euro) sind leicht zu haben. „Als Zahlungsmittel haben sich Kryptowährungen bewährt“, sagt Mittermair .

Hackerangriff
© Bild: Wiener Städtische/SEC Consult


Das konkurrierende Unternehmen könnte zum Beispiel um wenige hunderte Euro ein Hackingtool kaufen oder einen kompletten Angriff bestellen. Der Betrieb im 22. Bezirk  würde im konkreten Fall eine Mail erhalten plus Anhang für einen Auftrag. Das Öffnen der Datei  würde  katastrophale Folgen haben, ohne dass ein Mitarbeiter etwas dafür könnte.  „Man kann alles richtig machen, aber trotzdem Opfer werden“, schildert der Experte. So auch in diesem Fall: Das Anti-Virus-Programm schlägt nicht Alarm, ein sogenannter Cryptolocker (eine Verschlüsselungssoftware, Anm.) befällt den Computer. Die Cyberkriminellen fordern ein  Lösegeld und setzen eine  Frist.

Hackerangriff
Fabian Mittermair zeigt: Der Cryptolocker sperrte den Computer © Bild: Daniel Melcher

„Damit schneller bezahlt wird“, schildert Mittermair. Security-Analysten wie er würden dann darauf hoffen, dass die Angreifer einen Fehler in ihrer Software eingebaut hatten. Dann könnte man die Hacker selbst hacken. Ein Mitarbeiter des Unternehmens erklärt, was ein erfolgreicher Angriff für Auswirkungen auf den Betrieb hätte: “Wenn das alle Dateien betrifft, ist eine Arbeit von zehn Jahren weg.“

Die Cyberkriminalität ist seit Jahren auf dem Vormarsch. 2017 wurde in Österreich bei den Cyberdelikten ein Plus von 28,3 Prozent verzeichnet. Doris Wendler, Vorstandsdirektorin Wiener Städtische Versicherung, sagt, dass die Dunkelziffer noch viel höher sei. Denn die Unternehmer würden sich teils nicht trauen, um um Hilfe zu bitten. Der Grund hierfür sei die Reputation, sagt Wendler.

( kurier.at ) Erstellt am 16.05.2018