Wiener Grüne fordern mehr Hilfe für Jugendliche
Jugendsprecher Theo Löcker, Vorsitzende Judith Pühringer.
Judith Pühringer hört Indie-Pop. In der U-Bahn dröhnt der Grünen-Chefin dann schon einmal der deutsche Sänger Jas in den Ohren. Mit Zeilen wie: „Ich glaube, die Jugend hat Angst, vor alten Männern im Amt. Vor einem schrecklichen Schauspiel mit Krieg vor der Haustür, vor brennenden Wäldern und einer Welt, in der man nicht leben kann.“ Und das Lied bleibe hängen, so Pühringer. Denn auch in Wien hätten viele Jugendliche Angst, stünden unter Druck. Schuld daran seien zahlreiche Herausforderungen, etwa teures Wohnen oder Einsamkeit. Die Grünen fordern deshalb nun mehr Unterstützung für Jugendliche.
Vier Themenbereiche sind den Grünen dabei besonders wichtig. Erstens: die Öffis. Seit Februar gibt es in Wien keine Semesterkarte mehr. Sie wurde durch die „Jahreskarte Jugend“ ersetzt, die 294 Euro kostet. Laut den Grünen sei das zu teuer, sie fordern eine Jahreskarte um 79 Euro für Personen unter 26 Jahren.
Zweitens: das Thema Wohnen. Ein „Kautionsfonds“ nach dem Vorbild von Graz soll es sein, so die Grünen. In Graz streckt die Stadt bei der Anmietung einer Wohnung – je nach Gehaltshöhe und Personenanzahl im Haushalt – bis zu 1.000 Euro für die Kaution vor. Dieser Betrag wird nach und nach zurückbezahlt. Auch leichterer Zugang zu Gemeindewohnungen und eine Wohnbeihilfe für Studierende wird von den Grünen gewünscht.
Drittens: die Ausbildung. Neben mehr multiprofessionellen Teams im Jugendcollege fordern die Grünen den Ausbau der Lehrstellen in den städtischen Betrieben. Derzeit kämen auf ganze 230 Lehrstellen der Stadt 10.500 Bewerber, sagt Pühringer.
Ab ins Fitnessstudio
Viertens: die Einsamkeit. „Alterseinsamkeit, das kennt man“, sagt der grüne Jugendsprecher Theo Löcker. Aber auch junge Leute seien einsam. „Nur weil jemand viele Follower hat, heißt das nicht, dass diese Person auch ein gutes soziales Netz um sich hat.“ Und diese Einsamkeit sei gefährlich. Sie bedrohe nicht nur die individuelle psychische Gesundheit, sondern auch den demokratischen Zusammenhalt, sagt Löcker. „Weil wer sich allein gelassen fühlt, der verliert das Vertrauen in die Gesellschaft und wird leichte Beute für Radikalisierung.“
Dagegenhalten wollen die Grünen mit zwei Projekten. Dem „Vibecheck Demokratie“, bei dem heuer in drei Sitzungen Jugendliche mit Wissenschaft und Politik
zusammengebracht werden sollen, um ihre Stimmen zu hören. Bei einem weiteren Projekt sollen ehrenamtliche Buddies mit Jugendlichen ins Fitnessstudio gehen, um den Einstieg in den Sport zu erleichtern. Beide Projekte sind noch in Erarbeitung bzw. Planung.
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